Wärmedämmung: Thermohaut für das Haus

Richtig gedämmt, ist halb geheizt. Oder anders: Clever ist, wer sein Haus dick einpackt. Denn ein wärmegedämmtes Haus schont Geldbeutel und Umwelt und sorgt außerdem für mehr Wohnqualität.

Wir sprechen mit Frank Nowotka, Diplom-Ingenieur und Energieberater, ausführlich über die Vor- und Nachteile einer Wärmedämmung.
Fassadendämmung: Porträt Dipl.-Ing. Energieberater Frank Nowotka
Die Sanierung eines Altbaus ist bekanntlich teuer. Zahlt sich eine Dämmung hinsichtlich der langen Amortisationsdauer überhaupt aus?

Eine gute Dämmung zahlt sich in vielerlei Hinsicht immer aus. In unseren Breiten müssen wir die meiste Zeit des Jahres aktiv heizen, damit es zumindest in der Wohnstube behaglich warm ist. Dazu bestimmt mittlerweile eine gute und lückenlos ausgeführte Dämmung ganz entscheidend den Wert eines Hauses. Zweifellos sind solche Maßnahmen kostspielig, vor allem im Sanierungsbereich. Da Dämmstoffe und die mit ihnen errichteten Konstruktionen bei richtiger Anwendung jedoch nicht „verschleißen“, verursachen diese Sanierungsmaßnahmen kaum Folgekosten. Eine Dämmung im Dach lässt sich mit einer ohnehin erforderlichen Dachsanierung kombinieren. Das dämmen der Außenwand bietet sich bei einer Putzerneuerung oder einem Anstrich an. Die Dämmstoffkosten treten dabei häufig in den Hintergrund.
Wer heute mit überschaubarem finanziellen Aufwand dafür sorgt, dass kostspielige Energie nicht verloren geht, der muss sich künftig weniger Gedanken machen, wie er immer teurer werdende Energie beschafft. Ohnehin lässt sich heute eine Amortisationszeit von zehn und mehr Jahren nicht solide berechnen. Man weiß aber aus Erfahrung, dass es sinnvoller ist, einem solchen Fass ohne Boden entgegenzuwirken, statt stets nach neuen Zuflüssen Ausschau zu halten.

Welche Faustregeln gelten für die Kostenkalkulation?

Die Kosten einer Dämmmaßnahme im Sanierungsbereich lassen sich im Vorfeld in der Regel nicht exakt ermitteln. Dazu sind die Unwägbarkeiten und Risiken im Sanierungsfall zu groß. Häufig kommen Missverständnisse dadurch zu Stande, dass der Anbieter einer Leistung mit dem gerade Notwendigen kalkuliert, der Bauherr jedoch hinter den angebotenen Leistungen mehr vermutet. Zu einer halbwegs sicheren Kostenschätzung kommt der Bauherr nur, wenn die Leistung sorgfältig ausgeschrieben wird. Dazu bedarf es neben einer exakten Auflistung aller technologisch erforderlichen Arbeitsschritte auch einer präzisen Mengenermittlung. Ich empfehle hier immer die Einbeziehung eines unabhängigen Bauberaters, der die Interessen des meist unkundigen Bauherren vertritt. Ich will in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass es für Wärmedämmmaßnahmen keine nach deutschem Handwerksrecht zugelassenen Handwerksmeister gibt, obwohl es sich um eine sehr spezielle und komplexe Disziplin handelt.

Welche Faktoren müssen für eine gute Dämmung beachtet werden?

Eine gute Dämmung hindert die Wärme möglichst vollständig daran, den beheizten Raum über die umhüllenden Flächen zu verlassen. Diese Aufgabe bewältigen am besten Konstruktionen, die den Wärmetransport von innen nach außen vollständig unterbinden können. Ein guter „Mantel“ für das Gebäude besteht im Wesentlichen aus einer respektablen Schicht Dämmstoff sowie einer wasserabweisenden und für Wind undurchlässigen Hülle. In beide Richtungen sollte ein, wenn auch geringer, Wasserdampftransport möglich sein, damit es weder im Mauerwerk noch im Dämmstoff zu einer Wasseranreicherung kommt. Zu den Dämmstoffen, die die Aufgabe einer Außenwanddämmung mit Bravour erfüllen, zählen unter anderem Holzfaserdämmplatten, Mineralwolle oder Schaumpolystyrol. Im Schrägdachbereich haben sich Zellulosedämmstoffe und Mineralwolleerzeugnisse bewährt.

Was sind die Gründe für die Bildung von Kondenswasser? Was würden Sie betroffenen Eigenheimbesitzern bei einem solchen Feuchtigkeitsschaden raten?

Kondenswasser bildet sich zum Beispiel in der Luft, wenn sich bei einer bestimmten Temperatur und Wasserdampfmenge die Luft soweit abkühlt, dass sich die Dampfmoleküle miteinander zu sichtbaren Tröpfchen verbinden. Die Ursache dieses Vorgangs liegt darin begründet, dass die Aufnahmefähigkeit der Luft für Wasserdampf temperaturabhängig, also begrenzt ist. Ist die maximale Aufnahmefähigkeit für Wasserdampf in der sich abkühlenden Luft überschritten, bilden sich auf der Oberfläche Tröpfchen, die größer werdend herunterlaufen. Der Vorgang der Kondensatbildung ist in einer gedämmten Fläche nicht hundertprozentig auszuschließen, obwohl in der Vergangenheit die gegenteilige Auffassung bestand. Durch Folien sollte eine sogenannte Dampfsperre gebildet werden, die eine Tauwasserbildung verhindert. In der Praxis zeigte sich, dass diese Überlegung nur dann zum Ziel führt, wenn bei der Verlegung der Folien akribisch vorgegangen wird. In der täglichen Baupraxis war dies kaum der Fall. Wer heute mit Feuchtigkeitsschäden zu kämpfen hat, sollte sich genau mit der eingebauten Folienart, ihrer Lage in der Konstruktion und der dichten Verlegung beschäftigen.

Dampfbremse und Dampfsperre werden häufig als Kondensatfalle bezeichnet. Sollte auf den Einbau dieser Dämmschicht verzichtet werden? Gibt es eine Alternative?

Wie schon bei der Frage zur Bildung von Kondenswasser angedeutet, bedarf es vor allem eines Umdenkens in weiten Teilen der Handwerkerschaft, aber auch bei Ingenieuren und Architekten. Diffusionsprozesse sollen bis zu einer bestimmten Größe gar nicht behindert werden, insofern könnte man im Normalfall den irreführenden Begriff der Dampfsperre ganz vergessen. Es geht bei gedämmten Konstruktionen in erster Linie ohnehin darum, zu verhindern, dass warme, feuchtigkeitsangereicherte Raumluft in die Dämmschicht eindringen kann. Das ist eine Aufgabe, die besser mit der Herstellung einer luftdichten Konstruktion beschrieben wird. Man erfüllt diese Aufgabe durch den Einbau einer Luftdichtheitsebene, die immer auf die warme, also der dem Raum zugewandten Seite der Konstruktion verlegt werden muss und durch Einbauten nicht verletzt werden darf. Heute kommen Baupappen, Verbundmaterialien oder spezielle Kunststoffbahnen mit feuchtevariablen Eigenschaften zum Einsatz, die ihren Dampfdiffusionswiderstand den Bedingungen optimal anpassen können. Die Materialien werden untereinander und an andere Bauteile luftdicht verklebt.

Ist bei der Innendämmung die Gefahr von Kondenswasserbildung größer als bei der Außen- und Kerndämmung?

Ja, die Gefahr ist größer. Allerdings lässt sich die Gefahr soweit minimieren, dass nichts gegen eine Innendämmung spricht. Tatsächlich verändern sich die Temperaturverhältnisse im Schichtenaufbau der Wand. Während ohne Innendämmung die warme Raumluft mehr oder weniger ungehindert an die Wand gelangen und diese aufwärmen kann, kühlt die ursprüngliche Wand mit angebrachtem Dämmstoff deutlich ab. Die Abkühlung hätte grundsätzlich keine negativen Folgen, sofern sie und die mit ihr verbundenen Bauteile trocken bleiben. Um eine Befeuchtung zu verhindern, muss dafür gesorgt werden, dass keine warme und feuchte Raumluft auf direktem Wege an die Innenseite der ursprünglichen Wandoberfläche gelangt. Bei der Ausführung der Innendämmung ist daher auf eine luftdichte, wärmebrückenarme und lückenlose Montage zu achten. An keiner Stelle der fertigen Dämmung darf der Dämmstoff durch Raumluft hinterströmt werden. Die Dämmstoffstärke sollte etwa sechs bis acht Zentimeter betragen. Die dampfbremsende Wirkung der Konstruktion sollte in der Regel einen so genannten sd-Wert von etwa 2m nicht übersteigen, damit eine sommerliche Austrocknung gegebenenfalls eingedrungener Feuchte zurück in den Raum möglich ist. Hält man sich an diese Regeln, bleibt die Innendämmung praktisch bauschadensfrei und spart Jahrzehnte lang Heizkosten.

Wieso spielt die Lüftung bei einem gedämmten Haus eine so große Rolle?

Die Lüftung ist kein spezielles Problem von gedämmten, wohl aber von dichten Häusern. Auch nicht gedämmte, aber luftdichte Räume haben ein Lüftungsdefizit. Die in Fleisch und Blut übergegangenen Gewohnheiten reichen hier nicht mehr aus, wie folgendes Beispiel verdeutlicht: Ein ungedämmter Raum mit einem Öl-Ofen bekommt ein modernes Fenster mit zwei Dichtungsebenen. Außerdem wird der Kessel entfernt und ein Heizkörper eingebaut, der an die zentrale Heizungsanlage angeschlossen ist. Der Bewohner war es bisher gewohnt, morgens einmal gründlich und abends noch einmal für fünf Minuten zu lüften. Nach der Modernisierung zeigen sich Schimmelflecken in einer Außenecke. Die Ursache ist hier nicht die Dämmung, denn daran wurde ja nichts geändert. Ursache ist der drastisch reduzierte Luftaustausch durch Wegfall des Einzelofens und den Einbau eines nahezu hermetisch dichten Fensters. Der zuvor vorhandene Luftaustausch über offene Fugen des Fensters hin zum Ofen und seinem Schornstein war etwa zweimal so hoch wie der Frischluftbedarf. Nach der Modernisierung beträgt er nur noch 20 Prozent des Bedarfes. Der Luftaustausch muss durch aktives Tun verbessert werden. Der Bewohner muss lüften lernen!

Stimmt es, dass der Außenputz mit Pestiziden versetzt wird, damit sich Algen und Schimmel nicht bilden können?

Außenputz für so genannte Wärmedämmverbundsysteme kann, aber muss keine fungiziden Mittel enthalten, um einem Befall mit Algen oder Schimmel entgegenzuwirken. Es ist wirksamer, wenn darauf geachtet wird, dass sich die Voraussetzungen für einen solchen Befall gar nicht erst ergeben können. Richtig ist, dass bei gedämmten Wänden der Außenputz an der Oberfläche nicht mehr so warm wird, wie der Außenputz von ungedämmten Wänden. Das ist ja auch das Ziel der Dämmmaßnahme. Die Temperatur des Außenputzes kann zum Beispiel in einer klaren Nacht deutlich unter die Lufttemperatur sinken, weshalb, wie auf Autoscheiben, Tauwasser ausfällt. Kann dieses Wasser nicht rasch genug abfließen beziehungsweise abtrocknen, kommt es zum Wachstum eines Biofilmes. Daraus lassen sich Schlussfolgerungen ziehen, wie zum Beispiel den Putz dunkel einfärben zu lassen, damit er rascher abtrocknet. Der Putz sollte darüber hinaus nur eine geringe Rauigkeit besitzen, damit sich in Hohlräumen keine Nährstoffe und Wasser absetzen können. Auf der Nordseite sollte Grünwachstum vermieden werden, Bäume auf dieser Seite sollten die Fassade nicht verschatten.

Stichwort „atmende Wand“: Inwiefern verhindert die Dämmung einen natürlichen Luftausgleich durch die Wände?

Die „atmende Wand“ ist wohl einer der größten populären Irrtümer, dem Bauherren, aber auch Planer und Ausführende gleichermaßen aufsitzen. Es gibt sie nicht und es hat sie nie gegeben. Der messbare Luftdurchtritt durch eine zweifach geputzte Ziegelwand beträgt nur etwa zwei Prozent des Luftaustausches eines Raumes. Seit jeher werden Wände geputzt, um sie luftdicht zu machen. Rund 98 Prozent werden infolge Luftströmungen durch Fugen, Ritzen, Spalten und das geöffnete Fenster verursacht. Insofern kann eine außen oder innen aufgebrachte Dämmung den Luftaustausch auch nicht wirklich behindern. Das gilt gleichermaßen für Wasserdampfgehalt, den Kohlenstoffdioxid-Gehalt der Luft und Luftschadstoffe, die wir etwa mit Chemiefasern, Fußbodenbelägen und Farben in die Wohnung schleppen. Man würde mit und ohne Dämmung in einer extrem ungesunden Raumluft sitzen, wenn man sich auf die atmende Wand verlassen würde. Aber dies tut ja in der Praxis auch niemand.



Vielen Dank für das Gespräch.

Unter www.heiz-tipp.de finden Sie weitere Informationen zum Thema Dämmen, Heizen und Energie sparen.
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Der Einbau des Dämmproduktes „Thermo-Hanf“ von Hock geht schnell und ist gesundheitlich unbedenklich. Mit seinem feuchteausgleichenden Verhalten und seiner diffusionsoffenen Konstruktion sorgt der Dämmstoff zu jeder Jahreszeit für angenehme Temperaturen. Maßgefertigt, berechnet das Fachpersonal kostenlos U-Wert und Tauwasserausfall.
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Durch Rollladenkästen entweicht Wärme unnötig nach draußen.
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