Etwa 60 Prozent des jährlichen
Warmwasserbedarfs eines Einfamilienhauses lassen sich mit einer fachgerecht
geplanten und installierten Solaranlage decken. Von März bis September genügt allein die Kraft der Sonne, um die Primärheizung, die
normalerweise für die Warmwasserbereitung zuständig ist, in den Urlaub zu schicken. Bei einem gut gedämmten Neubau kann mithilfe einer
thermischen Solaranlage darüber hinaus sogar noch ein Teil der Heizenergie erzeugt werden: Im Idealfall können dies bis zu 40 Prozent des
Gesamtwärmebedarfs sein.
Solarkollektoren, Wärmetauscher und Pufferspeicher
Das Herzstück einer thermischen Solaranlage sind die
Solarkollektoren. Diese fangen die Sonnenstrahlen ein
und leiten deren Wärmeenergie an den Wärmekreislauf weiter. Zentrales Bauteil eines Solarkollektors sind die aus einem gut wärmeleitenden Metall
gefertigten und mit
Wärmeträgerflüssigkeit gefüllten Absorber. Vergleichbar mit einem in der Sonne
liegenden Gartenschlauch, heizt sich die Trägerflüssigkeit innerhalb kürzester Zeit auf und wird mit einer Pumpe Richtung
Pufferspeicher abtransportiert. Dort gibt sie die Heizenergie über einen
Wärmetauscher an das Speicherwasser ab.
Flachkollektoren und Röhrenkollektoren
Zwei Typen von Solarkollektoren gilt es zu unterscheiden:
Flachkollektoren und
Vakuumröhrenkollektoren. Mit 90 Prozent Marktanteil erfreuen sich Flachkollektoren großer Beliebtheit. Sie sind in der Anschaffung deutlich
günstiger als Röhrenkollektoren, haben aber auch einen um etwa 30 Prozent geringeren
Wirkungsgrad.
Bei Vakuumröhrenkollektoren befinden sich die Absorber innerhalb von Glasröhren, in denen ein Vakuum herrscht. Das Vakuum verhindert
Luftbewegungen im Kollektor, die zu Wärmeverlusten führen könnten. Zwei Arten von Röhrenkollektoren dominieren den Markt: Die direkt
durchflossenen Vakuumröhrenkollektoren und die
Heat-Pipe-Vakuumröhrenkollektoren. Bei ersteren fließt die
Wärmeträgerflüssigkeit in einem Röhrchen direkt unter den Absorbern, wo diese die Wärme aufnimmt. Bei den Heat-Pipe-Vakuumröhrenkollektoren ist
hingegen ein mit Alkohol oder Wasser gefülltes Rohr unter dem Absorber angebracht. Bei Sonneneinstrahlung verdampft der Alkohol oder das Wasser
und kondensiert am oberen Ende des Wärmerohrs. Über einen
Wärmetauscher wird die Heizwärme an die Wärmeträgerflüssigkeit abgegeben.
Das Kondensat fließt anschließend zurück in das Rohr und der Vorgang beginnt von Neuem.
Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung
Für die Warmwasserbereitung braucht es pro Hausbewohner ungefähr 1,5 Quadratmeter Kollektorfläche. Soll zusätzlich noch die Heizung bei
ihrer Arbeit unterstützt werden, sind 15 bis 20 Quadratmeter Kollektorfläche eine realistische Größe.
Für eine möglichst hohe Wärmeleistung ist ein Dach mit Südausrichtung und einer Neigung zwischen 30 und 45 Grad ideal. Ist die Dachneigung
zu gering oder sollen die Solarkollektoren auf einem Flachdach montiert werden, können Dachständer die Kollektoren in die richtige Position
bringen.
Die Betriebskosten einer Solaranlage
Die Betriebskosten einer thermischen Solaranlage fallen relativ gering aus. Abgesehen vom Strombedarf für Pumpen und Regeltechnik, der mit
etwa 15 Euro pro Jahr zu Buche schlägt, arbeitet das System kostenneutral. Allerdings sollten Anlagenbesitzer turnusmäßig etwas Geld in
die Wartung und Funktionsprüfung investieren.
Vier Schritte zur thermischen Solaranlage
Schritt 1: Der richtige Zeitpunkt
Wer jetzt eine neue Heizung mit Solaranlage installiert, spart dauerhaft Energiekosten und hat schon in diesem Sommer genügend
Solarenergie für warmes Wasser. Auch im Hausbestand ist dies sinnvoll! Thomas Kwapich, Bereichsleiter der dena: Besonders
wenn der Heizkessel sowieso erneuert wird, raten wir zum Einbau einer Solarthermieanlage. Der Austausch alter Heizungen rechnet sich
übrigens oft schon, wenn sie älter als 15 Jahre sind.
Schritt 2: Nur Trinkwarmwasser oder auch Heizungsunterstützung?
Als nächstes müssen sich Hausbesitzer entscheiden, ob die Solaranlage nur das Trinkwasser erwärmen oder auch die Heizung
unterstützen soll. Eine kleinere Solaranlage liefert in den warmen Monaten genug Energie, um den Trinkwarmwasserbedarf eines Hauses
zu decken. Will man eine zusätzliche Heizungsunterstützung, muss die Solaranlage inklusive
Speicher
größer ausfallen. Allerdings benötigen Solaranlagen immer ein zusätzliches Heizsystem.
Schritt 3: Kosten abschätzen
Jede Solaranlage braucht einen Speicher für die gewonnene Wärme. Solaranlagen für Trinkwarmwasser benötigen mindestens
einen 300-Liter-Speicher. Für Solaranlagen, die die Heizung mit unterstützen, sind etwa 100 Liter Speichervolumen je Quadratmeter
Kollektorfläche erforderlich. Damit lassen sich bis zu 20 Prozent des gesamten Heizenergieverbrauchs einsparen. Für den Einbau einer
thermischen Solaranlage für Trinkwarmwasser müssen Interessenten mit Kosten ab 4.000 Euro rechnen. Bei einer Anlage mit
Heizungsunterstützung erhöhen sich die Kosten auf 8.000 bis 12.000 Euro.
Schritt 4: Handwerkersuche
Vergleichen spart Kosten: Am besten drei Angebote einzuholen und so einen geeigneten Handwerker finden. Damit die Angebote verglichen werden
können, sollten alle angefragten Betriebe die gleichlautende Anfrage erhalten. Darin sollten die anstehenden Maßnahmen so genau
wie möglich beschrieben werden. Referenzen der Anbieter über bereits durchgeführte Arbeiten können bei der Auswahl
ebenfalls eine große Hilfe sein. So können Interessierte auch die Qualität der Arbeit vergleichen.
Quelle:
Deutsche Energie-Agentur (dena)