Im dänischen Lystrup vor der Nordseeküstenstadt Aarhus startete der Dachfensterhersteller VELUX in Zusammenarbeit mit dem Fassaden-
und Fensterunternehmen VELFAC ein Wohnprojekt. Ziel des Experiments: Die Suche nach energieeffizienten Wohnlösungen der Zukunft! Ein Jahr
lang lebte die fünfköpfige Familie Simonsen im sogenannten Home for Life auf komfortablen 190 Quadratmetern zur Probe.
Niedrig-Energiehaus
Ganze 40 Prozent der Wohnfläche des Aktivhauses Home for Life sind verglast. Das ist fast doppelt so viel, wie normalerweise
bei einem Niedrig-Energiehaus üblich.
Eine sieben Quadratmeter große Solarthermie-Anlage sorgt für Warmwasser und Heizwärme. Ergänzt wird ihre Arbeit bei
schlechtem Wetter sowie im Winter durch eine Wärmepumpe und eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung.
Mit insgesamt 50 Quadratmetern Fläche liefern Fotovoltaikmodule den Strom für die fünfköpfige Familie und einen Teil der
elektrischen Systeme. Die Fotovoltaikanlage des Hauses ist so ausgelegt, dass sie abzüglich des Verbrauchs pro Jahr und Quadratmeter ein
Plus von neun Kilowattstunden Strom produziert.
Alle Dachfenster haben über Solarzellen betriebene Jalousien auf der Innenseite und Markisen auf der Außenseite. Licht und Lüftung
werden dabei als zentrale Größe für menschliches Wohlbefinden gesehen. Für ein gesundes Raumklima sorgt die intelligente
Haustechnik des Hauses, die mittels Sensoren Hitze, Feuchtigkeit und Kohlenstoffdioxid in allen Zimmern registriert und entsprechend reagiert.
Wohnkomfort dank Innovation
Home for Life vereint eine Vielzahl neuer Produkte, neue Technologien und Prototypen. Dies ist ein entscheidender Aspekt des
Wohn-Experiments, mit dem die Praxistauglichkeit technischer Innovationen überprüft werden soll. Die Erfahrungen aus dem
‘Home for Life’-Projekt zeigen ganz klar, dass es bis 2020 möglich sein wird, Aktivhäuser zum gängigen Standard zu
machen. Dieses Projekt war ein unschätzbar wertvoller Lernprozess, der uns einmalige Daten und Erkenntnisse über Produkte, Lösungen
und Wohnanforderungen lieferte. Wir haben erkannt, dass die Puzzleteile Technik, Baustoffe, Architekturkonzept und Wohnanforderungen äußerst
sorgfältig aufeinander abgestimmt werden müssen. Das Haus hat uns gezeigt, wie sensibel es auf Schwankungen und Veränderungen reagiert
und wie viele Faktoren bedacht werden wollen, um das beste Ergebnis zu erzielen, sagt Lone Feifer, strategische Projektleiterin bei Velux.
Energiebedarf
Der Energiebedarf kann in Zukunft auf einem niedrigen Niveau gehalten werden, auch wenn er im ersten Betriebsjahr des Hauses noch über den
ursprünglichen Berechnungen lag: Die Haupterklärung hierfür ist in dem Umstand zu suchen, dass die Wohngewohnheiten der Simonsens
schlicht von den theoretischen Berechnungsgrundlagen abwichen. So bevorzugten die Hausbewohner in ihren Wohnräumen eine Durchschnittstemperatur,
die um etwa zwei Grad über dem ursprünglich veranschlagten Wert lag.
Desweiteren zeigte das Wohnexperiment, dass die Wärmepumpe in Spitzenlastzeiten den Wärmebedarf nicht voll decken konnte. Eine
größer dimensionierte Wärmepumpe soll nun installiert werden. Hingegen wurde das Leistungsvermögen von Solarkollektoren und
-modulen im Vorfeld exakt vorhergesagt, so dass die gewonnenen Energiemengen allen Erwartungen voll und ganz gerecht wurden.
Stromverbrauch
Die zentrale Steuerungseinheit entpuppte sich als große Attraktion für die Familie, aber ebenso als Energiefresser: Durch seine zentrale
Lage war das Bedienelement ein beliebter Treffpunkt der Hausbewohner. Das volle Leistungsvermögen des Systems konnte sich im ersten Jahr aber
noch nicht entfalten, da dieses erst eingestellt und kontinuierlich Anpassungen und Veränderungen vorgenommen werden mussten. Der Energiebedarf
des Steuersystems wird in Zukunft deutlich sinken und seine Steuerungsfunktionen noch benutzerfreundlicher werden.
Raumklima und Licht
Messungen der Raumtemperatur, der Luftfeuchtigkeit und des CO2-Gehalts der Luft zeigten, dass das Raumklima insgesamt den Erwartungen entsprach und
von der Familie als angenehm empfunden wurde. Wie bereits erwähnt, lag die Durchschnittstemperatur ungefähr zwei Grad über den
Berechnungen. Der Kohlenstoffdioxid-Gehalt war in den Räumen mit natürlicher Klimatisierung deutlich geringer als in denen ohne.
Der hohe Lichteinfall aus allen Richtungen wurde von allen Bewohnern als sehr positiv bewertet: Besonders die frische Luft im Haus genossen
alle Familienmitglieder, auch wenn das gelegentliche Überhitzen der Räume durch die nach Süden ausgerichteten Fenster störte.
Ein Großteil der Südfassade des Hauses besteht aus Fensterflächen, zwar versehen mit Klimatisierungs- und Beschattungssystemen,
die jedoch noch nicht optimal aufeinander abgestimmt waren – ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt zur Verbesserung.
Dokumentation: VELUX | Fotos: VELUX, Adam Mørk