Bausparvertrag – Bausparvertrag aktuell

Kündigungswelle, Zinstief, Abzocke – neben seinem leicht eingestaubten Image hat der Bausparvertrag zurzeit mit negativen Schlagzeilen zu kämpfen. Viele Verbraucher sind verunsichert, wann der Bausparvertrag heutzutage überhaupt noch lukrativ ist. Wir geben einen Überblick zu den aktuellen Entwicklungen.

06.11.2018

Zusammenfassung:

  • Bausparverträge, die bereits seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif sind und dennoch nicht abgerufen werden, können durch die Bausparkasse gekündigt werden.
  • Mit Vertragsabschluss werden die Konditionen eines Bausparvertrags für die gesamte Laufzeit festgeschrieben. Das gibt Planungssicherheit.
  • Die gesetzliche Warn-, Beratungs- und Aufklärungspflicht der Banken werden nicht immer eingehalten: Zukünftige Bausparer sollten sich nicht blind darauf verlassen, gut beraten zu werden.

Die Grundidee hinter dem Bausparen ist ein gemeinschaftliches Sparen, das den Sparern ermöglicht, schneller an günstiges Baugeld zu gelangen. Da alle beteiligten Bausparer in eine Gemeinschaftskasse einzahlen, wird diese schneller voll und kann besser von Zinsen und staatlichen Förderungen profitieren.

Außerdem kombiniert der Bausparvertrag eine Sparanlage mit einem Darlehen und läuft in drei Phasen ab: In der Sparphase wird zu allererst für circa vier Jahre in den Gemeinschaftstopf eingezahlt. Sind die anfangs vereinbarten Sparziele erreicht, wird das angesparte Geld plus das vereinbarte Darlehen in der zweiten Phase zugeteilt. In der letzten Phase zahlt der Bausparer das Darlehen zurück – das Geld landet wieder im Gemeinschaftstopf, damit andere Sparer davon profitieren.


Was hat es mit den Schlagzeilen rund um das Thema Bausparen auf sich?
 

1. Kündigungswelle:
Die Kündigungen der Altverträge, um die in den letzten Monaten viel Wirbel gemacht wurde, betreffen zurzeit nur Verträge, die schon mindestens zehn Jahre laufen und dadurch von hohen Zinsen profitieren. Auch wenn diese schon zuteilungsreif sind, nutzen die Sparer sie lieber als Sparanlage mit guten Zinsen, anstatt sich das Geld auszahlen zu lassen. Für die Bausparkassen stellt das eine zunehmende Belastung dar und auch das Prinzip des gemeinschaftlichen und solidarischen Sparens wird damit ausgehebelt. Deshalb entschied der Bundesgerichtshof am 21. Februar 2017, dass Bausparverträge kündbar sind, die seit mindestens zehn Jahren zuteilungsreif sind, aber nur als reine Sparanlage genutzt werden – denn dies widerspreche dem Zweck des Bausparens.

2. Zinstief:
Die niedrigen Zinsen belasten die deutschen Sparer, kaum eine Geldanlage ist zurzeit noch besonders lukrativ. Das trifft teilweise auch auf den Bausparvertrag zu: In der ersten Sparphase kann der Sparer von den niedrigen Zinsen nicht profitieren – je niedriger die Zinsen, desto weniger wird er für seine zurückgelegten Mittel belohnt. In der Darlehensphase hingegen kommen die niedrigen Zinsen dem Bausparer wie jedem anderen Kreditnehmer sogar entgegen – je geringer der Leitzins, desto weniger muss er für das geliehene Geld an die Bausparkasse zahlen. Der Vorteil beim Bausparvertrag ist, dass die Konditionen mit Vertragsabschluss für die gesamte Laufzeit festgelegt werden. Wer heute einen Bausparvertrag abschließt, könnte also in zehn Jahren von dem jetzigen Zinstief profitieren.

3. Abzocke:
Nicht nur Bausparkassen haben immer wieder mit Vorwürfen der Abzocke oder schlechten Kundenberatung zu tun, das betrifft viele finanziellen Institutionen. Hier muss stets der Einzelfall geprüft werden, denn hundertprozentig ausschließen kann man schlechte Kundenberatung nie. Auch wenn Banken grundsätzlich eine moralische und gesetzliche Warn-, Beratungs- und Aufklärungspflicht gegenüber ihren Kunden haben, diesen keine falschen Produkte aufzuschwatzen und über alle Risiken zu informieren, ist das nicht immer der Fall. Vor allem, wenn es sich um sehr alte oder junge Menschen handelt, ist das Risiko hoch.

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