Barrierearmes Zuhause – Das sind die besten Maßnahmen

Jeder Mensch hat ein anderes Verständnis, was eine Wohnbarriere darstellt. Ein absolut barrierefreies Haus gibt es daher nicht. Ein barrierearmes Umfeld jedoch ist wünschenswert – bei rechtzeitiger Planung ohne großen Mehraufwand umsetzbar.

02.10.2018
Bodengleiche Dusche von Wedi
Foto: Wedi

Ein barrierearmes Zuhause erleichtert nicht nur Menschen mit Einschränkungen das Leben, sondern ist auch angenehm und bequem für alle. Aus diesem Grund sollte das barrierearme Bauen heute – ähnlich wie das energiesparende Bauen – Standard sein. Wer neu baut oder einen Umbau individuell plant, kann Einfluss nehmen. Anhand des Rundgangs durch ein beispielhaftes Einfamilienhaus erkennt man schnell, welche Barrieren lauern, die gesunde und mobile Menschen oft gar nicht wahrnehmen.

Zugang zum Haus

Meist führen eine oder mehrere Stufen an die Eingangstür. So ist das Haus zwar gut vor Nässe geschützt, dennoch stellen sie eine Barriere dar. Im Neubau kann eventuell auf die Stufe verzichtet werden. Eine Alternative sind flache Stufen, die deutlich einfacher zu begehen sind. Geländer können beim Umbau im Bestand den Zugang zusätzlich erleichtern. Die Haustür selbst sollte breit genug und leicht zu öffnen sein. Auch die Sicherheit an der Haustür ist sehr wichtig. Gerade Kinder und ältere Menschen sollten wissen, wer vor der Tür steht, wenn es klingelt. Hier hilft ein Türspion oder – wie bereits häufig üblich – eine Klingelanlage mit eingebauter Kamera.

Beleuchtung & Wetterschutz

Die Haustür sollte gut beleuchtet sein. Bei Licht verringert sich die Stolpergefahr, das Aufschließen fällt leichter. Außenleuchten mit Bewegungsmelder sind hier sehr hilfreich. Ein Vordach, das vor Regen schützt, hilft nicht nur Menschen, die längere Zeit brauchen, um die Tür zu öffnen. Auch Besucher warten lieber im Trockenen.

Terrasse oder Balkon

Das größte Hindernis stellen in der Regel die hohen Schwellen oder Stufen zur Terrasse oder dem Balkon dar. Wie bei der Haustür soll das Gebäude dicht bleiben und vor Nässe geschützt sein. Menschen mit Gehhilfen können den Außenbereich jedoch so nur eingeschränkt nutzen. Niedrige Schwellen oder sogar schwellenlose Ausgänge zur Terrasse oder dem Balkon sind möglich, müssen aber sorgfältig geplant werden. So kann etwa eine neue Überdachung die Tür vor Regen schützen.

Flur & Garderobe

Flure sind in neuen Häusern zugunsten der Wohnraumfläche häufig sehr klein. Einen Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl abzustellen, ist dort kaum möglich. Sehr günstig wäre bei engen Fluren deshalb ein Abstellraum in der Nähe. Eine Garderobe mit Sitzgelegenheit erleichtert außerdem das Schuheanziehen für alle Familienmitglieder.

Portrait Renate Schulz vom Bauherren-Schutzbund e.V.
DIPL.-ING. RENATE SCHULZ Bauherrenberaterin des Bauherren-Schutzbund e.V.

Küche

Barrieren sind häufig ungünstige Schränke mit Fächern, die zu hoch oder zu niedrig angeordnet sind. Wichtige Utensilien sollten in angenehmer Griffhöhe, möglichst in Schubladen untergebracht sein. Neben dem Herd und dem Kühlschrank sind Abstellflächen sehr wichtig, ebenso Bewegungs- und Arbeitsflächen. Ist man auf eine Gehhilfe angewiesen, sollten ausreichende Raumfreiheit und ein Arbeitsplatz im Sitzen eingeplant werden.

Bad

Beim Neu- oder Umbau kann natürlich nicht immer ein Wellnesstempel mit zwanzig Quadratmetern entstehen. Dennoch sind ausreichend Bewegungsflächen und breite Türen wichtig. Eine bodengleiche Dusche kann beim Altbau oft nicht umgesetzt werden. Mittlerweile gibt es jedoch flache Duschtassen in vielen Größen, die einen leichten Einstieg erlauben. Wichtig ist, dass die Dusche groß genug ist. Aufwändig designte Abtrennungen können eher stören statt zu helfen. Ist jemand unsicher, sind Haltegriffe in Dusche und an der Wanne unerlässlich. Auch ein Sitzplatz, am besten vor dem Waschbecken, wo man sich bequem an- und ausziehen kann, ist oft sehr hilfreich. Beim Umbau im Bestand wird die Badewanne häufig durch eine Dusche ersetzt. Der ehemalige Sitzplatz auf dem Wannenrand muss dann ersetzt werden.

Treppe

Treppen sind generell Barrieren. Motorische Einschränkungen stehen bei älteren Menschen meist an erster Stelle. Das Wohnen auf einer Ebene ist bezogen auf die Barrierefreiheit natürlich am günstigsten. Bei den heute sehr hohen Grundstückspreisen und der Grundstücksknappheit gibt es aber kaum noch einen Neubau, der auf einer Ebene angelegt ist. Die Geschosse werden gestapelt in der Doppelhaushälfte oder im Reihenhaus. Der Platz für die Treppen ist knapp, daher werden steile, gewendelte Raumspartreppen eingeplant. Einfacher zu begehen sind nicht zu steile und gerade Treppen. Handläufe auf beiden Seiten, ausreichend Licht und rutschhemmende Treppenbeläge geben zusätzlich Sicherheit.

  • Bauherren-Schutzbund e.V.
    Kleine Alexanderstraße 9/10
    10178 Berlin

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