Barrierefrei Wohnen – 10 Tipps für barrierefreies Wohnen

Ein barrierearmes Zuhause hilft allen Generationen und schafft obendrein jede Menge Komfort. Auch dieses Mal gibt's wieder Anregungen vom Experten.

07.06.2018
Frau mit Denkblase
Foto: Adobe Stock/DDRockstar

Aktuelle Untersuchungen belegen, dass schätzungsweise nur zwei bis drei Prozent aller Wohnungen in Deutschland barrierearm oder sogar barrierefrei sind. Dabei hilft eine barrierearme Wohnung nicht nur älteren Bewohnern. Eine bodengleiche Dusche will heutzutage fast jeder in seinem neu gebauten Haus haben. Ebenso freuen sich Familien und älter Menschen gleichermaßen, wenn sie den schweren Einkauf oder den Kinderwagen vom Parkplatz direkt in den Hausflur bringen können, ohne lästige Treppen überwinden zu müssen. Investitionen zahlen sich sofort durch mehr Wohnkomfort und gewonnene Freiräume aus. Worauf ist zu achten, wenn ein neues Haus geplant oder eine Bestandsimmobilie umgebaut werden soll? Zehn Tipps, die Sie als private Bauherren unbedingt beherzigen sollten:

1) Bezeichnungen wie „barrierearm“ oder „rollstuhlgerecht, „alten-“ oder „behindertengerecht“ sollten Sie in Angeboten oder Prospekten nicht trauen, wenn es Ihnen um den barrierefreien Bau oder Umbau der eigenen vier Wände geht. Warum? Diese Begriffe sind nicht definiert und beschreiben keinen verbindlichen Standard. In der Regel handelt es sich um Marketinginstrumente ohne verbindliche Aussagekraft. Achten Sie auch darauf, dass in einem Angebot die Beschreibung „barrierefrei“ detailliert aufgeführt und verbindlich vereinbart werden kann, auch dieser Begriff besitzt keine Rechtskraft für ein Bauvorhaben.

2) Ob beim Neubau oder Umbau: Wichtig ist immer, die gewünschten Anforderungen und Ausstattungen im Vertrag zu fixieren. Die Zielvorgaben für barrierefreies Bauen und Umbauen sind aus der Norm DIN 18040 „Barrierefreies Planen und Bauen – Planungsgrundlagen“ abzuleiten. Nur eine verbindlich vereinbarte Norm schafft Klarheit und kann Rechtsstreitigkeiten von vornherein vermeiden. Die eindeutige und detaillierte Beschreibung des Vertragsziels mit allen erforderlichen Leistungen bietet allen an Planung und Bau Beteiligten zugleich Sicherheit und Transparenz.

3) Ideal ist, wenn ohnehin fällige Sanierungen zum Abbau von Barrieren genutzt werden können. Aufwand und Kosten sind meist nur geringfügig höher, der Nutzen umso größer. Wichtig ist, im Vorfeld eine umfassende Planung der Maßnahme zu erstellen. Die genaue Untersuchung der Bedürfnisse und der Möglichkeiten ist von entscheidender Bedeutung für ein zufriedenstellendes Ergebnis.

4) Bevor große bauliche Veränderungen geplant werden, können bereits kleinere Anpassungsmaßnahmen im Haus nützliche Veränderungen bewirken. So kann die Umgestaltung der Raumnutzung und Möblierung als einfachste und kostengünstigste Form ein erster Schritt sein. Zu den Maßnahmen mit geringem bis mittlerem Aufwand gehören die Ausstattung oder Nachrüstung mit Hilfsmitteln und technischen Hilfen. Dazu zählt, Türschwellen zu entfernen oder Stütz- und Haltegriffen im Flur oder Bad zu montieren.

5) Darüber hinaus stehen unter dem Stichwort „AAL-Technologie“ (Ambient Assisted Living) viele elektronische Hilfsangebote zur Auswahl: zum Beispiel elektronische Schlösser und automatisch gesteuerte Rollläden, die Tür- und Zugangsüberwachung oder ein Wasserschadenalarm. AAL-Systeme können auch selbständig Gefahrensituationen in der Wohnung erkennen und bei Bedarf eigenständig einen Notruf absetzen.

6) Sollen Einfamilien- oder Mehrfamilienhäuser ohne Barrieren gebaut oder davon befreit werden, ist wichtig, dass auch der Bereich außerhalb der Wohnung oder des Hauses leicht überschaubar und ohne Barrieren nutzbar ist. Dazu muss der Zugangsweg eine Mindestbreite (zirka 1,20 Meter) haben. Außerdem sollten die Oberflächen so gewählt werden, dass sie auch bei Eis, Schnee und Regen rutschsicher begehbar sind.

7) Einen bequemen Zugang zu Wohn- und Schlafräumen ermöglichen Türen mit einer Breite von mindestens 80 Zentimeter, besser 90 Zentimeter. Schwellen sollten Sie, soweit wie möglich vermeiden. Bei der Montage von Schaltern und Bedienelementen ist darauf zu achten, dass sie sich nicht in Ecken befinden, sondern mindestens 50 Zentimeter entfernt eingebaut werden. Als Bodenbeläge sollten Sie sich für ebene Materialien entscheiden.

8) Um Bäder und Sanitärräume barrierearm nutzbar zu machen, ist entscheidend, dass tritt- und rutschhemmende Bodenbeläge gewählt werden. Türen sollten schwellenlos nach außen öffnen. Die Wandkonstruktion sollte so ausgelegt sein, dass sich nachträglich stabile Haltegriffe anbringen lassen Sinnvoll sind zudem Armaturen mit Temperaturbegrenzung (45 Grad Celsius). Sie schützen Kinder und Personen mit Seheinschränkungen vor zu heißem Wasser.

9) Barrierearme Neu- und Umbauten erfordern höhere Investitionen. Doch nicht alle Kosten müssen Sie alleine schultern. Erkundigen Sie sich vorab über Fördermöglichkeiten. Die Förderprogramme der Bundesländer umfassen Zuschüsse und kostengünstige Darlehen. Auch die gesetzlichen Sozialversicherungen bezuschussen Bauvorhaben. Und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert mit ihrem Programm „Altersgerecht Umbauen“ Maßnahmen zur Barrierereduzierung in bestehenden Wohngebäuden.

10) Um Planungs- und Ausführungssicherheit zu erlangen, sollten Sie auf die Kompetenz von Experten zurückgreifen. Deshalb ist empfehlenswert, sich während der Entscheidungs- und Bauphase unabhängigen Expertenrat zum Thema „Barrierefrei bauen und wohnen“ einzuholen. Bauherrenberater der Verbraucherschutzorganisation Bauherren-Schutzbund e.V. bieten die entsprechende Unterstützung an. Hierzu gehört unter anderem eine Bedarfsermittlung, die Unterstützung bei der Vertragsgestaltung bis hin zur Kontrolle einer fachgerechten Ausführung der Baumaßnahmen.

  • Bauherren-Schutzbund e.V.
    Kleine Alexanderstraße 9/10
    10178 Berlin

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