Warum es sich lohnt, in Material und Montage zu investieren - PV Experten im Gespräch

Hohe Strompreise haben einen Boom für Photovoltaik-Anlagen auf Deutschlands Dächern ausgelöst. Doch immer öfter klagen Kunden über grenzwertige Anbieter, überteuerte Billiganlagen und mangelhafte Installation. Martin Krick, technischer Leiter im Bundesbildungszentrum des Deutschen Dachdeckerhandwerks in Mayen, und Solarexperte Heiko Schultz, Diplomingenieur der Elektrotechnik, erklären im Gespräch, was Bauherren beachten sollten.

12.04.2024 | Anzeige
Ansprechende Optik, starke Leistung: Bei einer Althaus-Sanierung bewahrt ein Indach-Photovoltaiksystem den Charakter der Immobilie und verbindet nachhaltig 400 Millionen Jahre alte Schiefersteine mit smarter wie leistungsfähiger Stromerzeugung.
Ansprechende Optik, starke Leistung: Bei einer Althaus-Sanierung bewahrt ein Indach-Photovoltaiksystem den Charakter der Immobilie und verbindet nachhaltig 400 Millionen Jahre alte Schiefersteine mit smarter wie leistungsfähiger Stromerzeugung. Foto: Rathscheck

Der Bedarf an privaten Photovoltaik-Anlagen ist immens. Nicht alle Anbieter sind seriös. Welche Regeln gelten für die Monteure von Solarstromerzeugern?

Krick: Der hohe Bedarf lockt leider auch dubiose und unqualifizierte Firmen an. Es gibt klare Regelungen für die Montage auf Dächern und an Fassaden, doch es fehlt vor allem die Kontrolle der Installationsbetriebe, um Verbraucher besser vor schwarzen Schafen zu schützen. Deshalb ist sowohl auf dem Dach als auch an der Fassade ein Dachdeckerbetrieb der richtige Ansprechpartner für eine fachgerechte Installation einer PV-Anlage. Wir kennen inzwischen genügend Beispiele, bei denen Anlagen nicht in Betrieb genommen werden können, weil sie die technischen Voraussetzungen nicht erfüllen

Schultz: ...da werden teilweise die wichtigsten Grundregeln der Elektrotechnik nicht beachtet! Montierte Anlagen liegen Wochen, in mehreren im vergangenen Herbst bekannt gewordenen eklatanten Fällen mit Solarziegeln sogar seit vielen Monaten still, da sie nicht die Anforderungen der Netzbetreiber erfüllen. Wenn das Augenmerk nur auf der Funktionalität „Energiegewinnung“ liegt und die Anlagen von ungeschulten Hilfskräften montiert werden, besteht auch die Gefahr von Kurzschlüssen, Stromschlägen oder Bränden.

Bekannt sind bei Polizei und Staatsanwaltschaft auch Fälle, wo hohe Anzahlungen verlangt, danach aber kein einziges Modul verlegt wurde. Wie kann ich seriöse von windigen Anbietern unterscheiden? 

Krick: Interessenten sollten weder auf das erste bunte Flugblatt noch auf Haustürverkäufer mit vermeintlich besonders günstigen Angeboten hereinfallen. Vertrauen in gut geschulte Handwerksbetriebe ist immer richtig. Bei den Solarelementen ist nicht unbedingt der Preis pro Modul ausschlaggebend, sondern vor allem die Leistung, die dahintersteckt. Im Bundesbildungszentrum für das Dachdeckerhandwerk (BBZ) bilden wir in Sonderkursen Fachleute aus, die sowohl von Dacheindeckungen als auch von der ordnungsgemäßen PV-Montage etwas verstehen. Mehr als 3000 Teilnehmer haben bisher unsere bundesweiten Kurse absolviert. Wer sich auf dem Dach bewegt, sollte auch wissen wie! Es gibt Fälle, bei denen nach der Montage erhebliche Schäden an Dacheindeckungen zurückblieben, die erst später beim Eindringen von Feuchtigkeit entdeckt wurden und bis zum Totalschaden am Dachstuhl führten. Bis dahin waren die Installationsfirmen vom Markt verschwunden und mancher Hauseigentümer blieb auf erheblichen Sanierungskosten sitzen.

Schultz: ...bedenken sollte man auch: Werden auf dem Dach minderwertige Module ohne Zertifizierung verbaut, ist das ein erhebliches Sicherheitsrisiko und bei einem möglichen Schaden zahlt die Versicherung nicht. 

Eignen sich alle Dacheindeckungen für die Montage von Photovoltaik-Systemen? Kann ich beispielsweise ein in die Jahre gekommenes Asbestdach unter neuen Modulen verstecken? 

Krick: Auf keinen Fall! Alte Asbesteindeckungen dürfen für die Montage weder beschädigt, angebohrt oder überbaut werden. Vor der Installation von Photovoltaikelementen auf älteren Häusern sollte man übrigens grundsätzlich prüfen, ob nicht sogar eine komplette Sanierung sinnvoll und angebracht ist. Viele Dacheindeckungen haben die Haltbarkeitsgrenzen in der Regel nach 30 bis 50 Jahren erreicht. Da bringt es nichts, eine Photovoltaikanlage zu installieren, wenn nach wenigen Jahren das Dach darunter kaputt geht.

Schultz: ...wenn man die Eindeckung erneuert, ist es immer eine Überlegung wert, ob man auf moderne, dachintegrierte Systeme setzt. Neben der zeitlosen Ästhetik bieten Indach-Systeme den Vorteil, dass unter den weitestgehend flächenbündigen Modulen keine zusätzliche Eindeckung erfolgen muss. Das kann Arbeits- und Materialkosten sparen, zumal wenn die Unterkonstruktion des vorhandenen Daches noch intakt ist. Das funktioniert sowohl mit modernen Rechteck- wie auch mit klassischen Bogendeckungen.

Qualität zahlt sich aus: Heiko Schultz und Martin Krick raten Bauherren zur gründlichen Prüfung von Photovoltaik-Anbietern
Qualität zahlt sich aus: Heiko Schultz und Martin Krick raten Bauherren zur gründlichen Prüfung von Photovoltaik-Anbietern. Foto: Rathscheck

Problematisch war bisher die Installation von Photovoltaik in denkmalgeschützten Bereichen. Immer mehr Bundesländer verändern im Zuge der Energiewende die Regeln. Was ist heute möglich?

Krick: Grundsätzlich darf Photovoltaik inzwischen in den meisten Bundesländern auf historischen Gebäuden und in denkmalgeschützten Bereichen montiert werden, wenn die Optik des Gebäudes und der Umgebung nicht beeinträchtigt werden. Im Klartext heißt das: Aufgeständerte Anlagen sind hier nach wie vor meist tabu, moderne Indach-Anlagen aber möglich. Wir qualifizieren hier in Mayen beispielsweise Dachdecker bei der Integration von Solarmodulen in klassische Schiefereindeckungen wie der Altdeutschen Deckung, der Schuppendeckung oder der Universaldeckung. 

Schultz: ...die technische Entwicklung ist rasant. Leistungsfähige dunkle Module in Indach-Anlagen verbinden optisch anspruchsvoll Tradition und zukunftsträchtige, lokale Energieversorgung. Wir sehen, dass die Denkmalschutzämter sich mit der Frage befassen und zusehends zu dem Ergebnis kommen, dass dies eine gute Kombination ist. Wir hoffen, dass die die positiven Beispiele den Trend weiter verstärken und skeptische Denkmalschutzämter überzeugen können. Gerade auf den teilweise sehr großen denkmalgeschützten Gebäuden ist eine ästhetisch gut integrierte PV-Anlage sinnvoll.

Was zeichnet ein besonders langlebiges und leistungsstarkes Photovoltaik-Modul aus?

Krick: Gegenüber einfachen Glas-Folien-Modulen besitzen PV-Elemente mit sogenannten Topcon-Zellen einen höheren Wirkungsgrad. Das heißt: Auf weniger Fläche wird mehr Strom erzeugt. Die aus zwei Glasschichten bestehenden Elemente gelten insgesamt als robuster und langlebiger. 

Schultz: ...selbst bei diffusem Licht liefern die – so übrigens nur auf den ersten Blick teureren Elemente - eine gute Performance. Moderne Glas-Glas-Module in TOPcon-Technologie, wie sie beispielsweise im Rathscheck Indach-Photovoltaiksystem eingesetzt werden, liefern gerade im Bereich geringerer Sonneneinstrahlung deutlich mehr Leistung. Damit ist eine bessere Nutzbarkeit der Anlage in den Zeiten möglich, wenn der Eigenverbrauch die PV-Leistung übersteigt. Dieser Stromertrag trägt also besonders zur Wirtschaftlichkeit der Anlage bei. Neuere hochwertige Zell-Techniken bieten bei hohen Temperaturen und auch bei der langfristigen Leistungsfähigkeit Vorteile gegenüber der Standardtechnik. Top-Module können selbst nach 30 Jahren auf dem Dach noch fast 90 Prozent der ursprünglichen Leistung erreichen. 

Die Energiepreise sind nach dem Allzeit-Hoch im Vorjahr wieder leicht gefallen. Lohnt der Aufwand für eine Photovoltaik-Anlage immer noch?

Krick: Derzeit stagnieren die Energiepreise auf hohem Niveau. Sicher scheint nur: Billiger wird es vermutlich nicht mehr. Daher lohnt es sich aus verschiedenen Gründen in Photovoltaik zu investieren, zumal die Modulpreise auch wieder gesunken sind. Bei einem Strompreis von fast 40 Cent pro Kilowattstunde und möglichst hohem Eigenverbrauch macht sich eine Hausanlage in der Regel nach 10 bis 15 Jahren bezahlt, häufig und bei möglicherweise steigenden Energiepreisen sogar eher. Als Anreiz in 2024 zu investieren dient auch die Mehrwertsteuerbefreiung auf PV-Anlagen, die übrigens für Material und Installation gilt.

Schultz: ...mit einer eigenen Photovoltaik-Anlage koppeln sich Immobilienbesitzer zu einem gewissen Anteil dauerhaft von den Energiekosten ab. Und sie tragen zu der dringend nötigen Energiewende auch durch die Stromeinspeisung ins Netz bei. Zwar ist der Erlös für den Stromverkauf an den lokalen Versorger bei nüchterner Betrachtung nicht entscheidend, es bleibt aber immer noch eine kleine Rendite. Am meisten spart, wer möglichst viel Strom selbst verbraucht und damit auch sein Auto lädt oder eine Klimaanlage oder Wärmepumpe betreibt. Die Anlage muss dafür nicht einmal gewaltig groß sein. Oftmals bieten Anlagen zwischen 8 und 11 kWp für ein großes Einfamilienhaus eine gute und zukunftsgerichtete Größe. Der individuelle aktuelle oder zukünftige Strombedarf spielt bei der Abwägung zu der passenden Größe eine entscheidende Rolle. Ein Batteriespeicher trägt dazu bei, Strombedarf und -erzeugung über den Tageslauf in Einklang zu bringen. Auch wenn dies oftmals die Amortisierungsdauer erhöht, ist der Nutzen danach umso nachhaltiger. 

Die Leistung einer Photovoltaikanlage wird häufig mit den Buchstaben kWp und kWh angegeben. Worin unterscheiden sich diese Kennzahlen? 

Schultz: Während Kilowatt-Peak (kWp) ein Maß für die optimal erreichbare Leistung einer Photovoltaikanlage ist, geben Kilowattstunden (kWh) eine Energiemenge an, beispielsweise die durch die Anlage tatsächlich erzeugte Strommenge in einem gewissen Zeitraum. Mit der in der Photovoltaik gebräuchliche Abkürzung kWp wird die Maximal-Leistung angegeben, wobei Ausrichtung, Verschattung oder Jahreszeiten nicht beachtet werden. Entsprechend können die Peak-Leistungen mehrerer Module zu der Anlagenleistung addiert werden, zum Beispiel: 12 Module je 420 Wp ergeben eine Anlagenleistung von 5,04 kWp. 

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