Schnitzereien und ähnliche Verzierungen an Holzbauteilen – So geht's

Holz ist einer der wichtigsten und leistungsfähigsten Konstruktionswerkstoffe und findet sich zwischen Carport und Dachstuhl in praktisch jedem Gebäude. Allerdings sind selbst sichtbare Balken, Latten, Dielen und Bretter im Serienzustand nicht zwingend optische Highlights. Das gilt selbst dann, wenn sie über eine angenehme Maserung verfügen und zudem durch eine schöne Ölung oder Lasur mehr optische Tiefe erhalten.

Denn: Über das rechteckige, quadratische oder kreisrunde Standardprofil solcher Holzbauteile lässt es sich hervorragend streiten. Wem das nicht genügt, der findet in Schnitz- und Fräsarbeiten eine hervorragende Möglichkeit, aus simplen Holzbauteilen wahre Kunstwerke zu erschaffen, ohne ihren Gebrauchswert einzuschränken. Allerdings ist dafür sowohl eine Menge Vorwissen als auch Werkzeug vonnöten. Wir zeigen, wie es geht.

28.06.2022

Das Wichtigste: Die Statik

Wohl so mancher Leser wird schon live oder im Netz aufsehenerregend verzierte Balken und andere Holzteile an Gebäuden gesehen haben. Angesichts dessen ist es nötig, eine Tatsache grundsätzlich zu beachten: Jede Form des Schnitzens und Fräsens trägt Material ab; dadurch wird die Tragfähigkeit des Holzes geschwächt.

Bei einem nur für sich stehenden Schnitzkunstwerk mag das praktisch gänzlich vernachlässigbar sein. Da genügt es, wenn so viel Integrität gewahrt bleibt, dass das Kunstwerk sein eigenes statisches Gewicht tragen kann.

Bloß: Bei am Haus genutzten Holzbauteilen existieren nicht nur statische Belastungen. Häufig müssen diese Bauteile das Gewicht anderer Installationen tragen – etwa die senkrechten Balken eines Carports, auf denen sowohl die Dachunterkonstruktion als auch die gesamte Eindeckung lastet. Außerdem treten dynamisch wirkende Windlasten auf, muss das Gewicht von Regen und nicht zuletzt Schnee aufgefangen werden.

Je nach Art und Umfang der Verzierungen kann das definitiv zu einer unbotmäßigen Schwächung führen. Angehende Holzkünstler haben deshalb zwei Optionen:

  • Bei bereits errichteten Konstruktionen werden die Arbeiten nur wenige Millimeter tief gehalten. Da die Normungen im Holzbau grundsätzlich eine statische Überstabilität verlangen, ist damit jegliches Risiko einer übermäßigen Traglastschwächung ausgeschlossen.
     
  • Sofern die Konstruktion erst noch gebaut werden muss, werden von vornherein deutlich mächtigere Bauteile herangezogen. Das erlaubt ungleich umfassendere, tiefere Schnitzereien und Fräsereien, da dennoch der gesetzlich verlangte Querschnitt unangetastet bleibt – der für dieses Bauteil bekannt sein muss.

Allerdings gilt das nur für Holzbauteile mit tragender Funktion. Dort, wo diese nicht gegeben ist, gelten dieselben Regeln der verbliebenen Reststabilität. Gegebenenfalls kann diese bei tragenden Teilen alternativ durch eine Aufdickung erfolgen, bei der nur dieses „Zusatzholz“ verziert wird.

Symbolbild Schnitzereien
Der Winkelschleifer ist heute das wichtigste Werkzeug für Holzkunst am Bau. Dafür sorgen seine zahlreichen Aufsätze. Foto: stock.adobe.com © Виталий Сова

Werkzeuge für den angehenden Holzkünstler

Wer schon einmal einem Schnitzer bei der Arbeit zugesehen hat, dem wird kaum die enorme Menge an Handwerkszeugen entgangen sein. Oft liegen hier mehrere Dutzend Messer und sonstige Werkzeuge auf der Bank. Und natürlich sind für großformatigere Arbeiten am Haus ebenfalls verschiedenste Werkzeuge nötig. Insbesondere Anfänger dürfen es jedoch mangels Erfahrung bei eher gröberen Verzierungen belassen.

Für die Haushaltskasse hat das nur Vorteile, denn in diesem Fall genügt eine Basisausstattung mit Spezialaufsätzen für (bei Bauherrn meist sowieso vorhandene) Elektrowerkzeuge, ergänzt um einige wenige Handwerkszeuge:

  • Raspel-, Fräs- und für die Holzbearbeitung geeignete Fächerscheiben sowie Schnitzfräser und Fräskugel. All diese Aufsätze sind für den Winkelschleifer vorgesehen und ermöglichen überraschend feine Arbeiten – insbesondere der Schnitzfräser und die Fräskugel sorgen dafür.
  • Gegebenenfalls eine Oberfräse. Sie kann entlang von Kanten geführt werden und ermöglicht dadurch einfache, aber gleichbleibende geometrische Formen – beispielsweise konkave Fasen.
  • Gegebenenfalls ein kleiner Geradschleifer. Hiermit und den zahllosen möglichen Aufsätzen können Bearbeitungen erfolgen, die feiner als Schnitzfräser und Fräskugel sind.
  • Zirkel, Winkel, andere Messwerkzeuge sowie ein Streichmaß und Bleistifte.

Dazu eventuell (!) noch je ein Set verschiedenförmiger Beitel sowie Schnitzmesser und -eisen. Dann sind wirklich mehr als genug Werkzeuge vorhanden, um sehr vielfältige Verzierungen durchführen und lernen zu können, ohne durch Werkzeugmangel unnötig limitiert zu werden.

Allerdings sollte bei allen motorisierten Arbeiten der Eigenschutz nicht zu kurz kommen. Das heißt: Schutzbrille, enganliegende Kleidung und bei feineren Fräs- und Schleifarbeiten eine Maske. Staub von unbehandeltem Holz ist zwar gesundheitlich völlig unbedenklich, stellt aber in den Atemwegen dennoch eine unangenehme Beeinträchtigung dar. 

Symbolbild Schnitzereien
Holzkunst muss nicht immer hochkomplex sein. Bereits einfache Formen können eine dramatische Wirkung entfalten. Foto: stock.adobe.com © thauwald-pictures

Ideenfindung betreiben

Wer nach dem Kauf vor solch einer Vielfalt an Werkzeugen steht, dem wird es unweigerlich „in den Fingern jucken“, damit auf Holzbauteile an seinem Haus loszugehen. Allerdings würde das zum jetzigen Zeitpunkt und Fähigkeitsstand wahrscheinlich selbst im besten Fall zu wenig überzeugenden Ergebnissen führen.

Schlimmstenfalls wäre ein (heutzutage trotz preislichem Sinkflug immer noch recht teures) Holzbauteil derart verunziert, dass ein Austausch unumgänglich wäre.

Nein, ein seriöser angehender Hobbyschnitzer wird seine Arbeit zunächst am Computer beginnen.

  • Die Google-Bildersuche,
  • das Portal Pinterest,
  • die Video-Plattform YouTube,
  • entsprechende Gruppen auf Facebook
  • und private Foren wie der Holzwurmtreff oder Woodworker

sind dafür hervorragende Anlaufstellen. Denn prinzipiell geht es zunächst einmal darum, a) herauszufinden, was überhaupt möglich ist und b) sich Inspirationen für die eigenen Arbeiten zu holen.

Vor allem letzteres ist eine wichtige Aufgabe. Denn obwohl Bauholz immer gleich Bauholz ist, so bedeutet jede Form von Verzierung doch ein sehr deutliches optisches Statement. Das heißt, hier ist es unbedingt nötig, das Haus und sein Design im Gesamten zu betrachten, bevor die Werkzeuge angesetzt und unveränderliche Fakten geschaffen werden.

In einem sehr modern und streng geometrisch eingerichteten Zimmer beispielsweise würden verspielte florale Muster in sichtbaren Balken wohl eher deplatziert wirken; hier wären ebenfalls geometrische Formen wohl die bessere Wahl. Umgekehrt wären solche Formen bei den Vordach-Pfosten eines rustikalen Gartenhäuschens wohl eher unangebracht.

Neben dem allgemeinen Stil sollten angehende Holzkünstler jedoch niemals ihre noch geringen eigenen Fähigkeiten vergessen. Sicherlich mag es jede Menge Applaus für ein zum Wildschweinkopf geformtes Balkenende am Terrassendach geben. Wenn dahinter jedoch Dutzende Stunden Frust stehen, ist das neue Hobby schneller beendet, als es begonnen hat.

Symbolbild Schnitzereien
Werkzeugverhalten und Fingerspitzengefühl sind die wichtigsten anfänglichen Lernziele – konkrete Formen eignen sich dafür am besten. Foto: stock.adobe.com © Alexiuz

Üben und noch mehr üben

Wer noch nie eine Fliese verlegt hat, der wird sich wohl kaum gleich an einer Ausgestaltung des Bads mit quadratmetergroßen Steinzeugplatten versuchen. Ganz ähnlich sollten es Holzgestalter tun. Heißt: Bevor tatsächlich „live“ an bedeutenden (insbesondere bereits installierten) Bauteilen gearbeitet wird, sollte man sich zunächst an einer ganzen Reihe von Abfallholz versuchen.

Geeignet ist hierfür beinahe alles. Wer einen Holzgroßhandel, eine Schreinerei oder ein Sägewerk in der Nähe hat, kann dort gern anfragen. In Zeiten steigender Brennholzpreise wird dort zwar selbst Holzabfall höchstwahrscheinlich nicht kostenlos abgegeben, aber zu vertretbaren Preisen.

Solche Holzstücke werden in einem Schraubstock eingespannt oder mit Schrauben an einem im Freien sorgsam eingeschlagenen Holzpfahl fixiert. Dann werden die Zeichenwerkzeuge gezückt und möglichst einfache Formen aufgezeichnet. Etwa:

  • Kreisabschnitt-förmige Einbuchtungen entlang der Kanten eines Balkens,
  • ein einfach gehaltenes Tiergesicht,
  • Der eigene Name oder ähnliche Schriften,
  • Blumen, stilisierte Bäume und Ranken,
  • ein einfaches Haus mit Türen und Fenstern,
  • ein Quadrat mit angedeuteten Dachschindeln

und alles, was die Geometrie hergibt, sind hervorragende Anfängerformen. Man selbst mag zwar bereits seit Jahrzehnten volljährig sein, aber um die Holzbearbeitung zu lernen, genügen tatsächlich zunächst Formen und Grafiken auf Grundschulniveau. 
Dann heißt es einfach aufzeichnen und vorsichtig beginnen. Falsch machen kann man hierbei gar nichts. Denn im Endeffekt geht es nur darum, vor allem das Verhalten der Werkzeuge und ihrer verschiedenen Aufsätze kennenzulernen – inklusive einer möglichst anstrengungsfreien Haltung und der Steuerung im Angesicht der Faserverläufe von Naturholz.

Derart sollte ruhig über einige Projekte und Stunden trainiert werden. Nie vergessen: Jede Minute, die dieses Üben investiert wird, verringert die Wahrscheinlichkeit, beim tatsächlichen Projekt einen Fehler zu begehen und erhöht gleichsam die Chance auf ein zufriedenstellendes Ergebnis – selbst dann, wenn der Künstler bei diesem Hobby bleibt, viel mehr Erfahrungen erlangt und sein Erstlingswerk aus dieser routinierteren Sicht später betrachtet.

Übrigens: Es lohnt sich unbedingt, die Übungsholzstücke nicht immer nur in komfortablen Positionen einzuspannen. Im Gegenteil, wenn die echten Verzierungen am Haus später gut von der Hand gehen sollen, ist es deutlich besser, bereits beim Abfallholz über Kopf oder auf ähnliche Arten zu hantieren – ganz so, wie es später an den zu verzierenden Bauteilen erforderlich sein wird.

Naturgemäß empfiehlt es sich sehr, sich im weiteren Verlauf des Übens in Richtung derjenigen Formen zu orientieren, die später am Haus umgesetzt werden sollen. Wer also beispielsweise auf dem Fachwerk seines Treppengeländers später rankende Weinreben sehen möchte, sollte bereits beim Üben viele Blätter und Trauben fräsen und schnitzen – es lohnt sich unbedingt.

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Monika Läufle

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