Nachhaltigkeit beim Hausbau maximieren – So lässt sich das Optimum herausholen

Vor 20 Jahren trat die Energieeinsparverordnung in Kraft – spätestens seitdem ist es auch ein gesetzliches Gebot, beim Neubau Energieverbrauch und Nachhaltigkeit im Blick zu behalten. Doch inzwischen erhöhen wissenschaftliche Erkenntnisse den Druck auf die Klimaschutzziele, während neue Technologien immer strengere Energie-Standards befördern. Für Bauherren stellt sich aktuell die Frage: Wie kann ich aus meinem Bauprojekt das Optimum in puncto Nachhaltigkeit herausholen?

08.04.2021

Energiestandard erfüllen: Die Basis für Nachhaltigkeit

Seit 2001 sorgt die Energieeinsparverordnung (EnEV) dafür, dass neue Bauprojekte bezüglich Energieverbrauch und Wärmeverlust definierte Höchstgrenzen nicht überschreiten. Im November 2020 trat dann das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) an ihre Stelle und setzte noch strengere Maßstäbe fest. Doch Bauherren sollten sich nicht damit zufriedengeben, geltende Energiestandards gerade so zu erfüllen, sondern können durch zukunftsweisende Dämm- und Heiztechniken weit effizientere Gebäude schaffen. Bei der Bezeichnung der Haustypen herrscht allerdings Verwirrung: KfW-Effizienzhaus 40, Passivhaus, Plusenergiehaus – welcher Haustyp mit welcher Energieversorgungstechnik ist der Spitzenreiter, was die Nachhaltigkeit angeht?

1. KfW-Effizienzhaus 40

Der strengste, durch die KfW geförderte Baustandard, beschreibt ein Gebäude, das lediglich 40 Prozent der Primärenergie verbraucht, die ein vergleichbarer Neubau gemäß der EnEV maximal beanspruchen dürfte. Die Primärenergie beinhaltet dabei nicht nur die Heizenergie, sondern auch jene Energie, die bei der Energiegewinnung, Umwandlung und dem Transport zum Gebäude anfällt. Um das energetische Gesamtbild zu erzeugen, wird deshalb der Heizenergiebedarf eines Hauses mit einem definierten Primärenergiefaktor verrechnet: Dieser beträgt bei Strom 1,8, bei Heizöl 1,1 und bei Solarthermie 0. Grob zusammengefasst bedeutet das: Ein KfW-Effizienzhaus 40 muss insgesamt über eine gute Dämmung und eine nachhaltige Heizquelle (Gas-Hybridheizung, Holz, Erdwärme, Solarthermie) verfügen.

2. Passivhaus

Hier liegt der Fokus auf einem niedrigen Heizwärmebedarf von unter 15 KWh pro Quadratmeter und Jahr. Ein Gebäude erreicht diesen Wert durch Baumaterialien mit besonders niedrigem Transmissionswärmeverlust und eine Konstruktion ohne Wärmebrücken. Wichtig sind außerdem große, nach Süden ausgerichtete Fensterflächen, die den Innenraum durch Sonneneinstrahlung erwärmen. Um Wärmeverluste zu vermeiden, wird das Haus luftdicht konstruiert und über eine Lüftung mit Wärmerückgewinnungssystem mit Frischluft versorgt. Dabei erwärmt die warme Abluft die kalte Zuluft in einem Wärmetauscher.

3. Plus-Energiehaus

Diese Gebäude erzeugen im Verlauf eines Jahres eine positive Energiebilanz – sie produzieren mehr Energie, als ihnen von außen zugeführt wird. Schlüssel dafür sind eine effiziente Dämmung der Gebäudehülle und die intensive Nutzung von Sonnenenergie. Einerseits erzeugt eine Photovoltaikanlage Strom, andererseits unterstützen Solarthermie-Kollektoren direkt die Heizleistung und die Warmwassererzeugung.

Für den Faktor Ökologie und Nachhaltigkeit ist nicht nur entscheidend, wie viel Wärme die Gebäudehülle durchlässt, sondern auch, wie „grün“ die benötigte Energie produziert wird. Schließlich punktet ein nachhaltiges Haus damit, dass es Wärme und Strom anteilig selbst produziert.

Auch die Ortswahl und die Gebäudenutzung haben viel mit Nachhaltigkeit zu tun

Wer nachhaltig bauen will, sollte auch seinen Arbeitsweg und weitere Nachhaltigkeitsaspekte mit einplanen. Dazu gehören beispielsweise der Anbau eigener Lebensmittel und auch die Nutzung von Möbeln aus heimischen Rohstoffen.

1. Die Wege kurz halten

Deutsche Pendler verursachen durchschnittlich 7.000 Autokilometer und 1,3 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr. Bauherren können ihren Teil zum Klimaschutz beitragen, wenn sie ihren Bauplatz klug wählen und das richtige Verkehrsmittel nutzen:

a) Auf eine gute Anbindung an den ÖNPV achten

Im Alltag pendeln viele Berufstätige im eigenen Auto, weil es ihnen als bequemste und flexibelste Lösung erscheint. Doch neben den ökologischen Nachteilen eines Verbrenners gibt es auch handfeste finanzielle Argumente für Bus und Bahn. Denn bei 50 Cent pro Kilometer, mit denen eine Fahrt im Mittelklassewagen inklusive Kraftstoff, Versicherung, Abnutzung und Werteverlust zubuche schlägt, fällt die Monatskarte deutlich günstiger aus. Und schließlich bieten gute Nahverkehrsanbindungen dem Pendler einen echten Zeitvorteil: Aus Potsdam brauchen Nutzer des ÖPNV rund 24 Minuten nach Berlin, während Autofahrer die doppelte Zeit veranschlagen müssen.

Symbolbild Nachhaltigkeit beim Hausbau
Foto: stock.adobe.com @ TheSupporter

b) Ein E-Auto kann sinnvoll sein

Bauherren, die in Zukunft pendeln müssen, sollten über ihre Stromerzeugung in Verbindung mit einem Elektroauto nachdenken. Denn die E-Autos bringen zwar durch ihren Produktionsprozess ab Werk eine schlechtere Emissionsbilanz mit als Verbrenner, gleichen sie dann im Laufe der Nutzung aber wieder aus und überholen Benziner und Diesel klimatechnisch. Besonders schnell fällt dieser Vorteil im Stadtverkehr ins Gewicht: Und zwar ab 30.000 gefahrenen Kilometern, die beim Pendeln rasch zusammenkommen. Idealerweise versorgen Hausbesitzer ihr Elektroauto durch selbsterzeugten Strom aus einer Photovoltaik-Anlage.

c) Eine gute Infrastruktur für kleine Besorgungen

Das Wohnen auf dem Land hat seinen Reiz – doch wer für jede Kleinigkeit ins Auto steigen muss, lebt nicht nachhaltig. Daher sollten Eigenheimbauer Gemeinden den Vorzug geben, in denen ein Supermarkt, eine Apotheke, die Arztpraxis oder die Grundschule auch zu Fuß oder per Rad erreichbar sind.

Symbolbild Nachhaltigkeit beim Hausbau
Foto: stock.adobe.com @ jackfrog

2. Teilweise Selbstversorgung: Ein weiterer Schritt Richtung Nachhaltigkeit

Die Bodenpreise in den Ballungszentren steigen – deshalb entscheiden sich viele Bauherren für ein kleines Grundstück, das pflegeleicht ist. Doch selbst in kleinen Gärten offenbart sich die Möglichkeit zur Selbstversorgung mit Gemüse, Obst und Kräutern. Neben Geld spart die autarke Lebensmittelproduktion auch Emissionen auf internationalen Transportwegen ein. Wer Lust hat, den Öko-Anbau im eigenen Garten zu starten, sollte folgendes bedenken:

  • Selbst gärtnern fördert das Saison-Bewusstsein: Hierzulande wachsen Erdbeeren im Sommer, während im Winter Kohl und Rüben auf dem Speiseplan stehen. Diesen Rhythmus lernt man spätestens dann, wenn man versucht, den Obst- und Gemüsebedarf primär aus dem eigenen Garten zu decken. Doch die engere Verbindung zur Natur wirkt sich auch auf das Einkaufsverhalten im Supermarkt aus: Wer weiß, wann regionale Lebensmittel Saison haben, greift seltener zu Import-Ware, die den halben Globus umrunden musste. Auch der Respekt für biologische Anbaumethoden wächst, wenn man selbst damit kämpft, Schnecken und Schädlinge vom Gartensalat fernzuhalten. Insgesamt fördert ein eigener Gemüsegarten deshalb mehrfach die Sensibilität für nachhaltig erzeugte Lebensmittel.
  • Ein Garten ist ein Langzeitprojekt: So wie der Kredit für das Eigenheim sich über Jahrzehnte erstreckt, sollten Hausbesitzer auch ihr Gartenprojekt langfristig planen. Denn: Es können Jahre vergehen, bis Obstbäume Früchte tragen und einen Großteil des persönlichen Obst-Bedarfs abdecken. Profis pflanzen deshalb eine Mischung aus langlebigen Hochstämmen und schneller tragenden, aber kurzlebigeren Halbstämmen. Ergänzt wird das ganze durch Beerensträucher und jährliches Saisonobst wie Erdbeeren, Rhabarber und Ananaskirschen. Beim Gemüsegarten sollten Anfänger auf Pflanzpläne von Profis zurückgreifen, die garantieren, dass der Gärtner von Frühjahr bis Herbst durchgehend ernten kann.

Zweifamilienhaus bauen und Energiebedarf pro Person senken

Für Einfamilienhäuser werden im Umland von Städten immer neue Flächen versiegelt, sie fördern die Zersiedelung und den Pendelverkehr – gerade diese ökologischen Minuspunkte brachten die Lieblingswohnform der Deutschen jüngst in die Kritik. Doch als Alternative besteht nicht nur die Etagenwohnung im Mehrfamilienhaus; auch das Zweifamilienhaus bietet gute Argumente in Sachen Nachhaltigkeit:

Energie und Kosten sparen: Auch Zweifamilienhäuser lassen sich als Effizienzhäuser, Passivhäuser oder Plus-Energiehäuser umsetzen. Der weitere ökologische Vorteil liegt im Grundstück: Weil zwei Parteien dasselbe nutzen, fördern Zweifamilienhäuser weniger die Zersiedlung als das klassische Einfamilienhaus. Da die Bauherren so auch beim Grundstückspreis sparen können, werden eventuell finanzielle Mittel frei, die sie für die Investition in eine Photovoltaikanlage oder das E-Auto plus häuslicher Ladestation nutzen können.

Option Generationenhaus: Jüngst offenbarten Lockdown und Schulschließungen schmerzlich, dass gerade junge Familien auf familiäre Unterstützung bei der Kinderbetreuung angewiesen sind. Andersherum profitiert die ältere Generation davon, wenn Familienmitglieder ihnen Handwerkstätigkeiten oder Einkäufe abnehmen. Wer gern generationenübergreifend näher zusammenrücken will, ohne sich gleich auf die Füße zu treten, für denen bietet ein Zweifamilienhaus ebenfalls die Lösung. In der Ideal-Konstellation können auch hier durch häusliche Kinderbetreuung und gesammelte

Fazit: In punkto Nachhaltigkeit besteht großes Potenzial

Plus-Energiehaus mit Solarthermie, Passivhaus mit Erdwärme, die solarbetriebene Ladestation für das E-Auto – heutzutage haben Bauherren viele Optionen, ihr Eigenheim nachhaltig und klimaschonend zu gestalten. Wichtig ist hier nicht nur die reine Energiebilanz des Gebäudes, sondern auch seine Einbindung in eine gute regionale Infrastruktur, die den Besitzern einen kraftstoffsparenden Lebensstil erleichtert.

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