Psychologie beim Hausbau – Diese Faktoren sorgen für ein Heim zum Wohlfühlen

Bei der Planung des eigenen Hauses oder der Einrichtung der Wohnung spielen vor allem die individuellen Bedürfnisse eine Rolle. Während diese bei bestehenden Wohnungen nur eingeschränkt umsetzbar sind, sollten Neubauten gezielt danach geplant und gestaltet werden. Die Bau- oder Architekturpsychologie setzt sich intensiv mit den psychologischen Aspekten des Hausbaus auseinander. Primäres Ziel ist es dabei durch die Bautätigkeit und die Berücksichtigung individueller Bedürfnisse ein gutes Wohngefühl zu schaffen.

22.01.2021

Zusammenfassung:

  • Die Baupsychologie berücksichtigt bereits bei der Hausplanung von Anfang an die individuellen Bedürfnisse und vermeidet die Reizüberflutung.
  • Im Fokus der Baupsychologie stehen Bedürfnisse wie Geborgenheit, Sicherheit und Erholung.
  • Durch die Berücksichtigung all dieser Bedürfnisse legen psychologische Aspekte den Grundstein für das harmonische Zusammenleben einzelner Familienmitglieder.

Bei der Frage, wann ein Haus gut geplant oder gebaut ist, gehen die Meinungen weit auseinander. Zu viele Aspekte müssen angefangen von der Planung bis zum Bau berücksichtigt werden. Viele Entscheidungen beruhen schließlich auf der Erfahrung und den Empfehlungen des Architekten. Gleichzeitig müssen aber auch die Bedürfnisse der Bauherren und Bewohner bedacht werden.

Gerade die Berücksichtigung der Bedürfnisse und damit auch die Baupsychologie bleiben allzu oft auf der Strecke. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen genießt die Baupsychologie auch weiterhin nicht die Aufmerksamkeit, die sie eigentlich verdient. Zum anderen haben sich aber auch Bauherren häufig noch nicht mit der Frage nach den individuellen Bedürfnissen beim Wohnen auseinandergesetzt.

Viele Bauherren sind überfordert

Ein weiterer Aspekt, der die Planung eines Hausbaus schwer macht, ist die Überforderung der Bauherren. Vor allem die Masse an Angeboten macht es schwer, sich auf bestimmte Angebote zu besinnen. In den letzten Jahren hat sich die Planungsphase beim Grundbau entscheidend verändert. Aus baupsychologischer Sicht soll dadurch vor allem dafür Sorge getragen werden, dass eigene Wünsche und Bedürfnisse besser bedacht werden können.

Viele Bauherren stellt die Offenheit der Planung aber vor neue Probleme. Noch vor wenigen Jahren war in den Grundrissen für Bauherren von Anfang an vorgegeben, welche Funktion die einzelnen Räume haben. So stand vorab fest, wo sich Küche, Wohnzimmer oder auch Kinderzimmer befinden. Die Bauherren konnten sich dann von Anfang an auf Aspekte der Raumausstattung besinnen und mussten sich nicht erst mit der grundlegenden Frage der Raumaufteilung auseinandersetzen.

Durch den Verzicht auf diese Grundrisspläne setzen die meisten Hausbaufirmen auf eine nutzungsoffene Planung. Den Bauherren wird so von Anfang das Gefühl gegeben, dass sie alle Aspekte des Hausbaus ganz nach ihren Wünschen definieren und gestalten können.

Flexible Nutzung setzt Mindestgröße voraus

Diese Nutzungsoffenheit und die damit verbundenen psychologischen Aspekte stellen aber auch Architekten bei der generellen Planung von Räumen und Gebäuden vor eine neue Herausforderung. Damit ein Raum überhaupt flexibel nutzbar ist, muss er eine Mindestgröße aufweisen. Diese sollte bei wenigstens zwölf Quadratmetern liegen. Bei Häusern mit großzügiger Grundfläche sollte eine universelle Zimmergröße von 16 Quadratmetern angestrebt werden.

Dadurch ist ein höheres Maß an Wohnkomfort und Gestaltungsspielraum gegeben. Geblieben ist bei der Baupsychologie der Wunsch nach höchstmöglicher Platzersparnis und einem Maximum an Effektivität. Geändert hat sich aber das Verständnis dafür.

Nachdem beispielsweise kleine Einbauküchen oder auch Küchenzeilen über Jahre hinweg als Renner galten, liegt der Fokus heute bei den Küchen auf der Verbindung zwischen Wohnen und Essen. Offene Wohnküchen gelten gerade bei Neubauten als bevorzugte Wahl. Sie sind gemütlicher und avancieren zum Aufenthaltsraum für die Familie. Sie sind damit quasi der Mittelpunkt des Alltagslebens. Diese neue Rolle der Küche zeigt sich insbesondere bei der Einrichtung und Farbgestaltung.

Symbolbild Farbauswahl
Foto: stock.adobe.com © LStockStudio / 182818133

Farbwahl beeinflusst Wohlbefinden im Haus

Der bewusste Einsatz von Farben in der Küche sorgt beispielsweise dafür, dass dieser Raum besonders einladend und warm wirkt. Hier orientieren sich Innenarchitekten gern an der Einrichtung von Bars und Restaurants, in denen bewusst auf eine Kombination aus Gelb und Beige gebaut wird. Auch ruhiges Braun wird zunehmend in Küchen eingesetzt, um den Spagat zwischen Arbeitsraum und Ruhezone zu meistern. Während warme Farben einen hohen Rotanteil haben und Wärme sowie Behaglichkeit ausstrahlen, lenken kalte Nuancen mit einem höheren Blauanteil die Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Küchenarbeiten.

Weiterhin gibt es Farben, die eine appetitanregende Wirkung haben. Insbesondere orange wird zu den appetitanregenden Farben gezählt und wird daher sowohl bei der Wandgestaltung als auch bei Küchenfronten gern eingesetzt. Meistens haben warme Farben eine appetitanregende Wirkung. Diese Wirkung wird indirekt erzielt, da sich der Mensch umgeben von warmen Farben wohler fühlt. Dadurch ist auch die allgemeine Stimmung heiterer und das sorgt wiederum für mehr Appetit. Umgekehrt wirken zum Beispiel Blau- und Grüntöne eher beruhigend, wenn es um Gelüste geht – gut für die Wohlfühlfigur. Die moderne Küche wird also durch die Farbwahl vorrangig so gestaltet, dass sich alle Mitglieder darin wohlfühlen.

Menschliche Bedürfnisse werden zusehends zur Entscheidungsgrundlage

Sowohl bei der Planung des Hausbaus als auch beim Bau selbst, werden menschliche Bedürfnisse längst als Entscheidungsgrundlage angesehen. Um allen Bedürfnissen gerecht zu werden, muss von Anfang an eine klare Zieldefinition erfolgen. Was wird mit dem Bau bezweckt? Welche Besonderheiten soll das eigene Haus bieten. Erst wenn die Ziele überhaupt bekannt sind, kann ein bedürfnisorientiertes Bauen und Planen erfolgen.

Diese Ziele sind übrigens bei der baupsychologischen Planung nicht nur für grundlegende Raumaufteilung und Ausstattung wichtig. Sie geben auch bei den Details der Einrichtung den Ton vor.

Bauen erfüllt immer grundlegende Bedürfnisse

Generell werden beim Bauen zahlreiche grundlegende Bedürfnisse erfüllt. So wird darauf geachtet, dass das Haus dem Sicherheits- und Schutzbedürfnis der Bauherren gerecht wird. Weiterhin wird durch die bewusste Gestaltung vermieden, dass es zu einer Reizüberflutung kommt. Dies ist gerade in Wohn- und Schlafbereichen, die vorrangig der Erholung dienen, von zentraler Bedeutung.

Ein weiteres Bedürfnis, auf das bei der Baupsychologie viel Wert gelegt wird, ist ein harmonisches Zusammenleben der Familie. Schon in der Planungsphase können hierfür die nötigen Grundsteine gelegt werden. Wichtig ist dabei, dass die Raumsituation eine gewisse Selbstbestimmtheit zulässt. So sollte jeder Bewohner des Hauses die Möglichkeit haben, Nähe und Distanz zu den anderen Mitgliedern der Familie individuell zu regulieren.

Zuletzt spielt bei der Baupsychologie aber auch die Haushaltsführung eine wichtige Rolle. Durch die umfangreiche Planung soll vor allem dafür Sorge getragen werden, dass die Haushaltsführung so einfach wie möglich umsetzbar ist. Das sorgt im Alltag für Zeitersparnis und hat damit aktiven Einfluss auf die Wohn- und Lebensqualität.

Symbolbild Grundrissplanung
Foto: stock.adobe.com © alfa27 / 223840645

Baupsychologie findet zu wenig Beachtung

Obwohl längst bekannt ist, dass die Baupsychologie auf die Wohnqualität und den Wohnwert eines Hauses enormen Einfluss hat, findet sie viel zu selten Berücksichtigung. Die meisten Hausbaufirmen wälzen diesen Punkt auch weiterhin auf die Bauherren ab und verweisen dabei in erster Linie auf die DIN Norm 18205.

Die Hausbaufirmen sichern sich damit vor allem aus rechtlicher Sicht ab. So wird vermieden, dass Fehler aufgrund vergessener Planungszieldefinition den Firmen zugeschoben werden können. Fehler, die daraus resultieren, sind für die Bauherren also nicht mehr einklagbar.

Die Bauherren werden mit den damit verbundenen Herausforderungen allein gelassen. Ein weiteres Problem ist, dass sie sich der Bedeutung dieser Planungsarbeit nicht bewusst sind. Dabei ist eine genaue Definition der Bedürfnisse besonders wichtig, denn nur durch diese lassen sich Kommunikations- und Planungsfehler beim eigenen Bau vermeiden.

Bauherren müssen sich dabei vor Augen führen, dass die reine Definition von Grundbedürfnissen jedoch nicht reicht. So können Planer und Baufirmen beispielsweise wenig mit dem Wunsch nach Geborgenheit anfangen. Das liegt auch daran, dass jeder Mensch ein eigenes Empfinden gegenüber Geborgenheit und Gemütlichkeit hat. Jeder Bauherr muss also genau definieren, was das eigene Haus oder auch Heim für ihn gemütlich macht. Hier gehen die Meinungen weit auseinander. In die Bedürfnisanalyse müssen dabei alle Bewohner des Hauses einbezogen werden. Das setzt für die Baufamilie aber auch eine gezielte Kompromissfindung bei verschiedenen Bedürfnissen voraus.

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Carolin Schlegel

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