Keller oder Bodenplatte  Mit Fundamentplatte oder Keller bauen?

Keller oder Bodenplatte? Egal, ob Sie ein Fertighaus oder Massivhaus bauen, ohne ein sicheres Fundament geht es nicht. Oft entschließen sich Bauherren zum Hausbau mit einer Bodenplatte statt mit einem Keller, weil sie Kosten sparen möchten. Doch ist die Entscheidung zwischen Keller oder Bodenplatte, wie kühle Rechner behaupten, nur eine reine Frage der Baukosten? Lesen Sie jetzt alles Wissenswerte zum Thema Keller oder Bodenplatte.

14.11.2018
Egal, ob Massivhaus oder Fertighaus: Ohne sicheres Fundament ist kein Hausbau möglich! Ein Keller, egal, ob nun traditionell gemauert oder als Fertigkeller (im Bild), bietet ein sicheres Fundament und Wohnraum zugleich. Eine preisgünstige Alternative zum Keller ist die Bodenplatte. Foto: glatthaar-fertigkeller | Zur Fotostrecke

Zusammenfassung:

  • Die Entscheidung zwischen Keller oder Bodenplatte sollte nicht nur anhand des Portemonnaies getroffen werden.
  • Eine Bodenplatte sorgt für die Standsicherheit des Hauses.
  • Ein Keller ist sicheres Fundament für das Eigenheim und zusätzlich Wohn- beziehungsweise Lagerraum.

Keller oder Bodenplatte? Bei vielen Bauherren entscheidet darüber in erster Linie der Gelbdbeutel. Gerade das kann sich aber im Nachhinein als Fehler herausstellen. Wir raten Ihnen daher zu einer eingehenden Kosten-Nutzen-Analyse, für die wir Ihnen das nötige Rüstzeug mit auf den Weg geben möchten.

Der Aufbau einer Bodenplatte

Eine Bodenplatte, oft auch einfach nur Fundamentplatte genannt, ist der lastabtragende, flächige Unterbau, der die Standsicherheit Ihres Eigenheims gewährleistet. Übrigens: Für die Gründung Ihres Hauses ist es mit Blick auf die Statik nicht zwingend erforderlich, eine Bodenplatte zu errichten. Bisweilen reicht bereits ein Punkt- oder Streifenfundament, um die Gebäudelast sicher aufzunehmen und in das Erdreich abzuleiten. Bodenplatten werden aus Stahlbeton gefertigt. Der Bauablauf stellt sich dabei immer gleich dar: Auf dem zu bebauenden Grundstück wird zuerst eine sogenannte Sauberkeitsschicht aus Magerbeton oder Schotter aufgebracht. Diese gleicht Unebenheiten aus und verhindert das Aufsteigen von Bodenfeuchtigkeit. Um die Bodenplatte während der Trocknungsphase vor Rissbildung zu schützen, folgt auf die Sauberkeitsschicht eine Trennlage, zum Beispiel aus PE-Folie. Dann errichten die Betonbauer die Schalung für das Gießen der Bodenplatte. Um die Energieverluste des späteren Hauses so gering wie möglich zu halten, kann jetzt durch das Einbringen einer Dämmung aus PU-Schaum, Polystyrol oder Schaumglas die Fundamentplatte in eine sogenannte Thermobodenplatte verwandelt werden. Soll auf der Bodenplatte später ein Passivhaus errichtet werden, führt an der Wärmedämmung „von unten“ übrigens kein Weg vorbei. Der nächste Arbeitsschritt umfasst das Verlegen von Wasser- sowie Elektroleitungen und der Bewehrung. Anschließend wird Ortbeton in die Schalung gegossen. Ist dieser ausgehärtet, ist die Bodenplatte bereit, um darauf ein Gebäude zu errichten.

Was kostet eine Bodenplatte?

Die Entscheidung zwischen Keller oder Bodenplatte ist selbstverständlich auch eine Frage des Preises. Daher: Was kostet ein Quadratmeter Bodenplatte? Grundsätzlich setzt sich der Preis für Ihre Bodenplatte aus den Kosten für den Aushub des Erdreichs, den Schalungsarbeiten sowie den Kosten für Beton und Bewehrung zusammen. Teuer wird es, wenn sich der Erdaushub auf Ihrem Grundstück schwierig gestaltet oder die Bodenbeschaffenheit nicht die beste ist. Grundsätzlich müssen Sie mit 70 bis 100 Euro pro Quadratmeter Fundamentplatte rechnen. Für eine Thermobodenplatte werden gut und gerne 130 bis 170 Euro pro Quadratmeter fällig.
Für ein durchschnittlich großes Einfamilienhaus belaufen sich die Baukosten für eine Bodenplatte demnach auf

  • 7.000 bis 10.000 € für eine Fundamentplatte und
  • 13.000 bis 15.000 € für eine Thermobodenplatte.

Baulexikon

  • Ortbeton: Ortbeton wird entweder mit einem Betonmischer auf die Baustelle geliefert oder aber direkt vor Ort angemischt. Der Frischbeton wird in eine vorbereitete Schalung gegossen, wo er schließlich aushärtet.
  • Perimeterdämmung: Als Perimeterdämmung bezeichnet man die Dämmung an einer Kelleraußenwand mit Erdberührung und die Wärmedämmung unterhalb der Bodenplatte. Für die Perimeterdämmung werden nur Dämmstoffe verwendet, die wasser- und druckbeständig sowie verrottungsfest sind: extrudierte Polystyrol-Hartschaumplatten (XPS), expandierte Polystyrol-Hartschaumplatten (EPS) und Glasschaumplatten.
  • Passivhaus: Das Passivhaus ist eine Weiterentwicklung des Niedrigenergiehauses und benötigt im Vergleich zu einem konventionellen Gebäude 80 bis 90 Prozent weniger Heizenergie. Diese Werte werden vor allem durch die konsequente Nutzung der eingestrahlten Sonnenenergie oder auch durch die Körperwärme der Bewohner erzielt. Für frische Luft sorgt eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung.

Wohnkeller oder Nutzkeller?

Ein Keller ist Fundament und Wohnraum zugleich. Die Kellerwände können traditionell Stein auf Stein gemauert oder aber aus Ortbeton gegossen werden. Zudem besteht die Möglichkeit, den Keller aus Betonfertigelementen zu errichten. Wenn Sie sich für einen Fertigkeller entscheiden, sparen Sie viel Zeit und beschleunigen den Baufortschritt Ihres Eigenheims rapide.
Sind die Wände und die Kellerdecke fertiggestellt, folgen die Gewerke Kellerdämmung und Kellerabdichtung. Dabei ist entscheidend, wie Sie Ihr Untergeschoss später nutzen wollen: Eine sogenannte Perimeterdämmung, eine Wärmedämmung an den Kelleraußenwänden mit Erdberührung, ist nur bei einem Wohnkeller zwingend notwendig. Bei einem Nutzkeller, der sich als Lager- und Stauraum oder für die Unterbringung der Heizung und Lüftungstechnik anbietet, kann hingegen auf die Dämmung verzichtet werden. In diesem Fall müssen Sie jedoch zur thermischen Trennung von nicht beheizten Keller- und beheizten Wohnräumen in eine Kellerdeckendämmung investieren. Beachten Sie: Um den baurechtlichen Vorschriften für Wohnkeller zu genügen, muss eine entsprechende Raumhöhe gegeben sein! 2,30 Meter ist in den meisten Bundesländern die absolute Untergrenze. Ein Blick in die jeweilige Landesbauordnung gibt Ihnen Aufschluss, mit welcher lichten Raumhöhe Sie planen müssen, um die Zulassung als Wohnkeller zu erhalten.

Baulexikon

  • Bodengutachten / Baugrundgutachten: Ein Baugrund- oder Bodengutachten wird zur Planung eines Bauvorhabens im Vorfeld eingeholt, mit dem Ziel, eine Gründungsempfehlung auszusprechen. Der geotechnische Bericht beurteilt den Baugrund hinsichtlich Tragfähigkeit, Bodenbeschaffenheit und Bodenverunreinigungen. Die Grundwassersituation zu kennen, ist insbesondere für die geplante Unterkellerung eines Bauwerkes, die Wahl der Abdichtung und eventuelle Wasserhaltungsmaßnahmen entscheidend. Der Sachverständige für Geotechnik oder der Baugrundgutachter schlägt ein dem Bauvorhaben angepasstes Untersuchungsprogramm vor. Ein solches Gutachten ist gemäß den Vorgaben der DIN 4020 in der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) definiert.

Was kostet ein Keller?

Ein Keller, egal, ob nun massiv gemauerter Keller oder Fertigkeller, ist im Vergleich zu einer Bodenplatte natürlich teurer. Wie teuer Sie ein Keller zu stehen kommt ist – ähnlich wie bei einer Bodenplatte – abhängig von mehreren Faktoren. So spielen zum Beispiel die Grundfläche des Kellers, seine Ausstattung und die Bodenbeschaffenheit eine entscheidende Rolle. Über den Daumen gepeilt müssen Sie für einen durchschnittlich großen Keller mit Baukosten in Höhe von 35.000 bis 70.000 Euro rechnen.

Keller oder Bodenplatte?

Tatsache ist, Bodenplatten sind in der Regel günstiger als Keller. Trotzdem fallen die Kosten für die Unterkellerung Ihres Eigenheims geringer aus, als Sie wahrscheinlich vermuten würden. Laut Gütegemeinschaft Fertigkeller (GÜF) summieren sich die Mehrkosten, die für einen Keller statt einer Bodenplatte fällig werden, nämlich auf nur etwa zehn Prozent. Dem steht ein Plus bei der Wohnfläche von durchschnittlich 40 Prozent gegenüber! Ausreichend Platz also, um die Heiz- und Lüftungstechnik unterzubringen, einen Hobbyraum oder Wellnessbereich einzurichten oder um später einmal eine Einliegerwohnung gewinnbringend vermieten zu können. Weiter sollten Sie bei Ihrer Wahl zwischen Keller oder Bodenplatte in Rechnung stellen, dass Häuser mit Kellergeschoss im Allgemeinen deutlich wertstabiler sind. Das bedeutet nichts anderes, als dass der Wiederverkaufswert Ihrer Immobilie mit Keller höher liegt als mit einer Bodenplatte.
Bevor Sie den Entschluss für oder gegen eine Unterkellerung oder Bodenplatte treffen, sollten Sie immer ein Bodengutachten in Auftrag geben. Mit einer Baugrunduntersuchung wird die Tragfähigkeit des Untergrunds bestimmt und wie es um die Wasserverhältnisse bestellt ist. Möglicherweise steht das Grundwasser so hoch, dass vom Bau eines Kellers grundsätzlich abzuraten ist. Zumindest erfordert ein schwieriger Keller-Baugrund spezielle Planungsmaßnahmen, um eine sichere Gründung Ihres Hauses gewährleisten zu können.

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