Fertighaus oder Massivhaus – Welche Bauweise ist die bessere?

Ein Fertighaus oder Massivhaus bauen? Welche Bauweise ist die bessere? Diese Fragen stellen sich in der Regel alle zukünftigen Bauherren. Klar ist, dass jede Bauweise Vorteile aber ebenso auch Nachteile bietet: Stein auf Stein errichtete Massivhäuser punkten zum Beispiel mit einem hohen Wiederverkaufswert und gutem Schallschutz. Fertighäuser aus Holz überzeugen durch ihre kurze Bauzeit und ihre hervorragende Eigenschaften in Sachen Wärmedämmung. Erfahren Sie jetzt alles Wissenswerte rund um das Thema Fertighaus oder Massivhaus.

20.04.2022
Baustelle Fertighaus und Baustelle Massivhaus
Fertighaus oder Massivhaus? Ein Teil der Antwort auf diese Frage ist nicht zuletzt die Bauzeit. Bis der Bauherr sein Massivhaus beziehen kann, dauert es deutlich länger  im Schnitt etwa acht Monate. Ein Fertighaus ist bereits nach wenigen Tagen bezugsfertig. Bild: GUSSEK HAUS | Fotolia/RRF

Zusammenfassung:

  • Fertighaus oder Massivhaus? Wer sich seinen Traum vom Eigenheim erfüllen möchte, sollte sich über beide Bauweisen genau informieren und die Vor- und Nachteile abwägen.
  • In Deutschland werden immer mehr Häuser in Fertigbauweise gebaut. Der Marktanteil von Fertighäusern stieg im vergangenen Jahr bundesweit auf 23 Prozent und erreichte damit ein Allzeithoch.

Fertighaus oder Massivhaus, das ist hier die Frage. Sowohl der Bau von Fertighäusern als auch der von Massivhäusern bietet Bauherren einige Vorteile. Selbstverständlich müssen aber auch auf beiden Seiten Nachteile in Kauf genommen werden. Wir haben für Sie die Vor- und Nachteile der beiden Bauweisen einmal aufgelistet, damit Sie sich einen Überblick verschaffen können.

Vorteile Fertighaus

  • Kurze Bauzeit: Zeit ist Geld! Fertighäuser haben im direkten Vergleich zu Massivhäusern eine sehr kurze Bauzeit. Nachdem Keller oder Bodenplatte fertiggestellt wurden, lassen sich innerhalb weniger Tage die in Holzständerbauweise oder Holztafelbauweise vorgefertigten Bauteile auf der Baustelle zu einem bezugsfertigen Eigenheim montieren. Da dabei weder Beton noch Mörtel zum Einsatz kommen, fallen bei einem Fertighaus auch die Trocknungszeiten sehr kurz aus. Ihr neues Zuhause ist schnell bezugsfertig.
  • Witterungsunabhängig bauen: Ein Fertighaus lässt sich in den meisten Fällen unabhängig von Wind und Wetter errichten. Das heißt, dass anders als bei einem Massivhaus, bei dem im Winter zum Beispiel der Baufortschritt aufgrund schlechter Witterungsbedingungen oftmals ins Stocken gerät, der Bau beziehungswiese die Montage von Fertighäusern trotzdem noch möglich ist.
  • Geringere Baukosten: Ein Fertighaus kann im Vergleich zu einem Massivhaus durch einen niedrigeren Preis überzeugen. Der Preisvorteil ist auf den hohen Grad der industriellen Vorfertigung und die Standardisierung bei Fertighäusern zurückzuführen. Neben den geringen Baukosten profitieren Bauherren grundsätzlich durch fixe Baukosten, die im Bauvertrag festgeschrieben sind.
  • Musterhäuser: Die Bauherren von Fertighäusern profitieren dadurch, dass sie während der Planung ihres Zuhauses Musterhäuser besuchen und sich dort die nötige Inspiration holen können. So können Sie schon vorab entscheiden, was Ihnen wichtig ist und auf welche Details Sie verzichten können.
  • Abgestimmte Haustechnik: Egal, ob Pelletheizung, kontrollierte Wohnraumlüftung oder Hausautomation. Fertighäuser werden mit einer aufeinander abgestimmten Haustechnik angeboten und ausgeliefert. Das garantiert dem Kunden, dass das Technik-Paket im Alltag perfekt harmoniert und die späteren Energiekosten so niedrig wie möglich ausfallen.
  • Ein Ansprechpartner für alles: Bauherren von Fertighäusern haben einen konkreten Ansprechpartner, der sich um alle Belange kümmert. In diesem Sinne übernimmt das Fertighaus-Unternehmen, sofern möglich, die Kommunikation mit Behördern und Ämtern, gibt Hilfestellung bei der Baufinanzierung und hilft sogar auf Wunsch bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück für den Hausbau.
  • Fertighäuser sind Energiesparhäuser:  Ein modernes Fertighaus verfügt über eine nahezu perfekte Dämmung. So lassen sich Fertighäuser problemlos als ein energiesparendes KfW-Effizienzhaus oder Passivhaus ausführen. Wenn vom Bauherr gewünscht, ist selbst der Standard Plusenergiehaus möglich.
  • Ausbaustufen: Fertighäuser werden von den Anbietern in verschiedenen Ausbaustufen angeboten. Für den Bauherr hat dies den Vorteil, dass er den Preis seines Fertighauses durch Eigenleistungen massiv beeinflussen kann. Wer ein Ausbauhaus wählt, der minimiert die Kosten seines Hauses spürbar, muss aber auch Eigenleistung einbringen. Wer schlüsselfertig baut, der muss sich um nichts kümmern, bezahlt jedoch unterm Strich mehr.
  • Service: Intensiver Kontakt über Jahre! Anders als bei ein massiv gebauten Eigenheim, bei dem es den Bewohnern des Massivhauses obliegt, sich regelmäßig um die notwendigen Servicearbeiten zu kümmern, übernehmen viele Fertighaus-Unternehmen in den Jahren nach dem Hausbau Wartung und Pflege des Fertighauses.
  • Hohe Qualität und Präzision: Fertighäuser überzeugen durch ihre hohe Qualität. Bei Massivhäusern, bei deren Bau meist mehrere Handwerker zusammenarbeiten müssen, liegt der Bau eines Fertighauses zum Vorteil des Häuslebauers in der Hand eines Anbieters. Das minimiert mögliche Fehlerquellen. Außerdem geht die industrielle Vorfertigung mit einer präzisen Bauausführung einher.

Nachteile Fertighaus

  • Niedriger Wiederverkaufswert: Häuser, die in Fertigbauweise errichtet wurden, haben ein deutlich geringeren Wiederverkaufswert als ein individuell geplantes Massivhaus. Nach 30 Jahren liegt der Wert gut und gerne um rund zehn bis 15 Prozent niedriger, so die Expertenmeinung, als bei einem massiv errichteten Eigenheim.
  • Weniger Gestaltungsspielraum: Fertighäuser sind längst „keine Häuser von der Stange“ mehr, dennoch sind die Gestaltungsmöglichkeiten eingeschränkt. Hinzu kommt, dass Hauskunden tiefer in die Tasche greifen müssen, wenn sie individuelle Gestaltungswünsche in die Hausplanung mit einfließen lassen.
  • Mangelnde Luftdichtigkeit: Luftdichtigkeit ist ein absolutes Muss, um die Wärmedämmung in den Zwischenwänden vor Feuchtigkeit zu schützen. Um Schimmel und erhöhte Energiekosten auszuschließen, ist präzises Arbeiten unabdingbar.
  • Wände speichern kaum Wärme: Anders als bei massiven Wänden aus Stein, haben die Wände eine Fertighauses – ausgeführt als Holzkonstruktion – nur eine geringe Wärmespeicherfähigkeit. Ein Nachteil, der sich im Sommer durch ein schnelleres Aufheizen und im Winter durch ein schnelleres Auskühlen der Räume bemerkbar macht. Auch der Schallschutz im Haus kann vermindert sein.

Vorteile Massivhaus

  • Individuelle Hausplanung: Massivhäuser bieten für Häuslebauer jede Menge individuellen Gestaltungsspielraum. In Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Architekten und dem nötigen Budget für die Baufinanzierung lassen sich in der Regel völlig problemlos Immobilien mit dem gewissen Etwas bauen.
  • Gesundes Raumklima: Massivhäuser punkten in der Regel mit einem gesunden Raumklima. Das massive Mauerwerk speichert Wasserdampf und gibt diesen bei Bedarf wieder ab. Auch auf die Schalldämmung wirkt sich auf die massive Bauweise positiv aus.
  • Wände speichern Wärme: Bei einem Massivhaus speichern die Wände jede Menge Wärme. Im Sommer heizen sich massiv gebaute Häuser nicht so schnell auf, im Winter kühlen sie hingegen nicht so schnell aus.
  • Hohe Wertbeständigkeit: Der Werterhalt eines Massivhauses ist besser als der von Fertighäusern. Im Falle eines Verkaufs können Hausbesitzer demnach mit einem höheren Erlös als bei einem Fertighaus rechnen. Auch mit Blick auf die Finanzierung des Bauvorhabens ist die Verhandlungsposition bei den Banken eine bessere.
  • Robuste Bauweise: Ein Massivhaus zeigt sich deutlich widerstandsfähiger und unempfindlicher gegen die Herausforderungen des Alltags. Ein Rohrbruch verursacht deshalb zum Beispiel weniger Folgekosten als bei einem Fertighaus, bei dem die Wände allesamt aus wasserempfindlichen Materialien wie Holz, Gipskarton und mineralischer Dämmung gefertigt wurden.

Nachteile Massivhaus

  • Lange Bauzeit: Die Zeit von Baubeginn bis Einzug ist bei einem Massivhaus deutlich länger, als bei einem Fertighaus. Bis ein Massivhaus bezugsfertig ist, dauert es gut und gerne mehrere Monate. Bauunterbrechungen bei schlechten Witterungsverhältnissen sind ebenfalls keine Ausnahme. Des Weiteren verursachen flüssige Materialien wie Mörtel und Beton längere Trocknungsphasen, die den Einzug verzögern.
  • Baukosten: In der Mehrzahl der Fälle übersteigen die Kosten für ein Massivhaus diejenigen für ein Fertighaus. Höhere Planungsaufwand für das Bauen mit Architekt, teurere Materialien für den Hausbau und längere Bauzeiten wirken sich preistreibend auf das Budget aus.

Info

Fertighäuser werden in Deutschland immer beliebter

Immer mehr Bauinteressenten in Deutschland entscheiden sich für ein Fertighaus. Wie der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) mitteilte, konnte 2021 die Holzfertigbauweise ihren Marktanteil bei den Ein- und Zweifamilienhäusern bundesweit auf 23 Prozent steigern. Der Anteil von Immobilien in Fertigbauweise liegt damit aktuell so hoch wie nie zuvor. Insgesamt wurden von Januar bis Oktober 2021 in Deutschland 92.909 neue Ein- und Zweifamilienhäuser genehmigt, davon 21.412 Häuser in Fertigbauweise. Der Gesamtmarkt legte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6,2 Prozent zu, der Fertigbau sogar um 11,2 Prozent. Fertighäuser liegen insbesondere in Süddeutschland im Trend. Spitzenreiter mit einer Fertigbauquote von stolzen 39 Prozent ist Baden-Württemberg. Schlusslicht mit einem Marktanteil von unter 10 Prozent sind die Bundesländer Niedersachsen und Bremen. Quelle: BDF

Fertighaus oder Massivhaus bauen: Fazit

Fertighaus oder Massivhaus? Für welche Bauweise Sie sich schlussendlich entscheiden, hängt natürlich maßgeblich von den Vorzügen und den Nachteilen der jeweiligen Konstruktionsart ab. Dennoch gilt: Ob Sie sich nun für ein Fertighaus oder Massivhaus entscheiden, ist nicht zuletzt auch eine Frage des persönlichen Geschmacks.

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