Bauberatung – Der Schlüssel heißt Unabhängigkeit

Was taugen Bauberatungen? Wie seriös sind sie? Was ist das Richtige? Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbund e.V., zur Notwendigkeit von Bauberatung und ihren Qualitätskriterien.

08.02.2019
Symbolbild Hand mit Schlüssel
Foto: Pixabay

Hurra-wir-bauen: Das Traumhaus in wenigen Minuten per Klick kalkuliert, Checklisten zur Baukontrolle als Ausdruck, Bauberatung per Telefon: Im Internet werden Bauinteressierte zu vielen Angeboten in Sachen Baubegleitung und Beratung fündig. So manches klingt einfach und verlockend, doch wie findet man seriöse Angebote?

Florian Becker: Bauherren sollten sehr genau hinschauen: Was steckt hinter den Angeboten? Und wer steckt dahinter? Zu den Anbietern für Bauberatung und -begleitung zählen Verbraucherverbände und -vereine, die sich dem Verbraucherschutz verschrieben haben und ohne eigene wirtschaftliche Interessen agieren. Große kommerzielle Bauunternehmen offerieren selbst Baukontrolle, für die sie oft mit bundesweit agierenden Prüfinstitutionen zusammenarbeiten. Leider tummeln sich auf dem Markt auch fragwürdige Anbieter, die Verbraucherinteressen vorschützen, eigentlich aber Bauleistungen verkaufen.

Hurra-wir-bauen: Kann ich als privater Bauherr einem Unternehmen vertrauen, das ins Gesamtpaket die eigene Baukontrolle eingebunden hat?

Florian Becker: Jein. Natürlich kann es relativ problemlos laufen. Zu bedenken ist: Sachverständige, die von Hausanbietern mit der Baukontrolle beauftragt werden, sind denen auch verpflichtet. Sie stehen auf Unternehmerseite und entscheiden im Zweifel so. Unabhängig sind sie nicht.

Hurra-wir-bauen: Ist Unabhängigkeit für eine erfolgreiche Beratung nötig?

Florian Becker: Unbedingt. Sie ist das A und O. Schwierigkeiten im Bauprozess anzugehen und Mängel auf der Baustelle aufzudecken, funktioniert vor allem mit wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Wer kontrolliert, darf nicht mit dem Unternehmen verbunden sein. Für private Bauherren ist unabhängige Beratung ohne Ansehen des Herstellers ein entscheidendes Kriterium.

Hurra-wir-bauen: Wie finde ich einen seriösen Prüfer?

Florian Becker: Er oder sie sollten sachverständig sein. Allerdings ist der Begriff Sachverständiger nicht geschützt. Zu fragen ist also, welche Qualifikationen vorliegen. Ein Hochschulabschluss als Architekt oder Bauingenieur für Hochbau ist die richtige fachliche Basis, Erfahrungen auf der Baustelle sollten hinzukommen, um Bauabläufe richtig einzuschätzen, und der Nachweis einer Sachverständigenausbildung. Vorzugsweise sollte man sich bei Verbraucherverbänden und -vereinen umsehen.

Hurra-wir-bauen: Was an Bauberatung und Begleitung ist sinnvoll?

Florian Becker: Eine komplette unabhängige Baubegleitung zu beauftragen, vermindert das Risiko für private Bauherren beträchtlich. Das Angebot unserer Verbraucherschutzorganisation etwa zur baubegleitenden Qualitätskontrolle sieht vor, in acht bis zwölf Baustellenbesuchen neuralgische Bauabschnitte zu kontrollieren: Bodenplatte, Keller, Rohbau, Fenster, Abdichtungen.... Also Baustufen, bei denen nicht entdeckte Mängel zu gravierenden Folgen führen können. Vieles kann im Nachhinein nicht mehr behoben werden. Besser ist also, Mängel rechtzeitig aufzudecken und ohne großen Aufwand zu beseitigen. Davon profitieren nicht nur Bauherren, sondern auch Firmen. Im Vorfeld sollten private Bauherren ihre Bauverträge technisch und juristisch checken lassen. Auch hier ist manches im Sinne der Unternehmen formuliert und sollte in Vertragsverhandlungen geklärt werden. Beim Bauherren-Schutzbund steht für die Beratung zu Angeboten – über die Prüfung des Bau- oder Wohnungskaufvertrags, die Baubegleitung bis zur Abnahme sowie bis in die Gewährleistungsphase hinein – ein bundesweites Netz von 150 unabhängigen Bausachverständigen und Fachanwälten für Bau- und Architektenrecht bereit. Alle haben sich verpflichtet, im Sinne des Verbraucherschutzes zu handeln.

Hurra-wir-bauen: Mit welchen Kosten ist bei Bauberatung zu rechnen? Manche Bauherren müssen ja knapp kalkulieren.

Florian Becker: Natürlich ist eine baubegleitende Qualitätskontrolle nicht umsonst zu haben. Bei einem typischen Einfamilienhaus von 110 Quadratmetern ohne Keller ist mit etwa 3.000 bis 3.500 Euro ohne Fahrtkosten zu rechnen, die in die Finanzierung gleich mit eingebunden werden sollten. Mit Sicherheit verhindert das hohe Folgekosten. Verbraucher müssen natürlich selbst abwägen, was ihnen wichtig ist. Doch bei einer Investition von vielleicht 250.000 Euro sind wenige tausend Euro für Kontrolle klug eingesetzt. Die Baubegleitung sorgt dafür, dass man das Haus bekommt, das man bestellt hat. Gerade Bauherren, die eng finanzieren müssen, sollten darauf nicht verzichten. Bei späteren Streitigkeiten wegen Mängeln am Bau werden gerichtliche Auseinandersetzungen schnell teuer. Da hilft keine Rechtsschutzversicherung. Zudem dauern Gerichtsverfahren Jahre, kosten zusätzlich Zeit und Kraft.

Hurra-wir-bauen: Geht’s nicht doch auch eine Nummer kleiner?

Florian Becker: Sicher, manche Anbieter offerieren zwei Kontrollen auf der Baustelle und eine bei der Abnahme. Oder nur diese. Für mich ist der Nutzen fragwürdig. Ist bei der Abnahme alles fertig präsentiert, lässt sich nicht einschätzen, was hinter den Wänden oder unterm Estrich steckt. Begutachtet wird nur noch Oberflächliches, eventuell verborgene folgenschwere Mängel nicht.

Hurra-wir-bauen: Sind private Bauherren bereit, ihren Bau beratend begleiten zu lassen?

Florian Becker: Verbraucher bevorzugen inzwischen Prävention. Private Bauherren in unserem Verein suchen meist vor Vertragsabschluss und über den gesamten Bauprozess hinweg Unterstützung. Zwar schwächt die Marktsituation ihre Position etwas ab, nach dem Motto: Ich als Bauunternehmen habe das Grundstück, gebaut wird nach meinen Bedingungen. Man sollte dem Druck jedoch nicht nachgeben. Seriöse Unternehmen gehen auf Wünsche ein. Es ist o.k., ein Bauwerk prüfen zu lassen. Verbraucher sind keine Bittsteller, sondern Kunden. Dessen sollten sich Bauwillige bewusst sein!

  • Bauherren-Schutzbund e.V.
    Kleine Alexanderstraße 9/10
    10178 Berlin

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