Fenstertausch – Darauf müssen Sie achten

Neue Fenster – aber beim Lüften ändert sich nichts? Was Bewohner nach dem Fensteraustausch unbedingt beachten sollten.

13.03.2019
Fenstertausch Symbolbild
Foto: ISOTEC

Energetische Sanierungen liegen im Trend – und werden gefördert. Vor allem der Fenstertausch ist eine beliebte Maßnahme, um Wärmeverluste von Gebäuden zu verringern. Der Fachverband VFF schätzt die Zahl neuer Fenstereinheiten für das Jahr 2018 auf 14,6 Millionen, von denen knapp 60 Prozent in die Sanierung des Bestandes gingen. Neue Fenster mit guten Dämmwerten bringen energetische Vorteile, können aber auch raumklimatische Nachteile wie Feuchteschäden und Schimmelbefall nach sich ziehen. Denn Räume müssen nach dem Austausch mehr gelüftet werden. Außerdem sollten neue Fenster in ein energetisches Gesamtkonzept eingebettet sein.

Die Fenstertechnologie hat in den vergangenen drei Jahrzehnten rasante Fortschritte gemacht. Sicherheit, Langlebigkeit und Verringerung der Wärmeverluste standen dabei im Mittelpunkt. Heute werden in der Hauptsache Fenster mit Dreischeiben-Wärmedämmglas verbaut. Den größten Fensterbestand machen jedoch Fenster mit Zweischeiben-Wärmedämmglas aus. Noch immer gibt es rund 21 Millionen alte Fenstereinheiten mit Einfachglas, die die teuer erzeugte Wärme leicht entweichen lassen. Das Einsparpotenzial bei diesen Fenstern liegt laut dem Verband Fenster und Fassade und dem Bundesverband Flachglas bei rund 10 Mrd. Kilowattstunden und rund 2,5 Mio. Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr (Studie: „Mehr Energie sparen mit neuen Fenstern“).

Neue Fenster – mehr lüften

„Bei vielen Bestandsbauten, Altbauten und Nachkriegsbauten wurden in den letzten 20 Jahren zur energetischen Sanierung die Fenster ausgetauscht“, bestätigt Diplom-Ingenieur Stephan Keppeler vom B+K Sachverständigenbüro in Köln. „Dabei ging jedoch auch die automatische Zwangslüftung durch die alten, undichten Fenster und der damit verbundene Luftaustausch in den Räumen verloren.“ Die höhere Luftdichtigkeit der Häuser muss daher nach einem Fensteraustausch durch häufigeres Lüften – zwei bis dreimal am Tag bei komplett geöffneten Fenstern – kompensiert werden. „Sonst drohen vermehrt Feuchteschäden und Schimmelpilzbefall“, so der Sachverständige Keppeler.

Fensteraustausch in energetischem Gesamtkonzept

Diplom-Ingenieur Jörg Bogs, Technischer Leiter der ISOTEC-Gruppe, die auf die Sanierung von Feuchteschäden spezialisiert ist, bestätigt diesen Zusammenhang und bemängelt zusätzlich, dass der Einbau neuer Fenster oft als Einzelmaßnahme vorgenommen wird. „Der Einbau müsste aber sinnvollerweise in ein energetisches Gesamtkonzept mit weiteren Dämmmaßnahmen eingebettet sein.“ Denn nach dem Fenstertausch verlagern sich sonst nur die kältesten Stellen der Räume: weg von den Fensternischen hin zu den kalten Außenwandoberflächen und Wärmebrücken. „Die Feuchte der Raumluft lagert sich dann statt in den Fensternischen an den kältesten Stellen der Außenwandoberflächen ab. Schimmelpilzbefall ist dann so gut wie vorprogrammiert.“

Dämmung der Außenwände plus neue Fenster macht Sinn

Deshalb empfiehlt Ingenieur Bogs, dass der Einbau neuer Fenster mit einer Dämmung der Außenwände kombiniert wird. Neben der klassischen Außendämmung, die das komplette Gebäude „einpackt“, verweist er auf die Möglichkeit einer Innendämmung, die auch für einzelne Räume eines Gebäudes oder einzelne Wohnungen eines Mehrfamilienhauses durchgeführt werden kann. Dabei werden die Außenwände von Innen mit Dämmplatten versehen, die in der Regel nur wenige Zentimeter dick sind. „Die ISOTEC-Innendämmung beispielsweise erhöht die innenseitige Oberflächentemperatur der Außenwände um bis zu 5 °C. Bei schlechter Wandkonstruktion (z.B. Beton) kann eine bis zu 10 Zentimeter dicke Innendämmung die Außenwandoberflächentemperatur sogar um ca. 10 °C erhöhen.“ Entsprechend werden die Heizkosten spürbar gesenkt, denn die Räume lassen sich schneller und kostengünstiger aufheizen.

Die vollmineralischen Innendämmplatten sind zudem „kapillaraktiv“ und „diffusionsoffen“. Das bedeutet, sie nehmen die Feuchtigkeit auf - und geben sie nach Absinken der Raumluftfeuchte auch wieder ab. So entsteht ein ausgewogenes und angenehmes Wohnklima. Kalte Wände, auf denen sich Kondenswasser absetzt und Schimmelpilz blüht, gehören Dank der Dämmplatten der Vergangenheit an. Kombiniert mit neuen Fenstern und mehrmals täglichem Stoßlüften entsteht ein energetisch und raumklimatisch sinnvolles Gesamtkonzept.

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