Hausbau trotz Corona-Krise – Das sagen jetzt die Hersteller

Wir haben die Fertighaus-Hersteller gefragt, wie sie in der Coronakrise weiterhin Kunden beraten und Häuser bauen können. Wie Mitarbeiter und auch Kunden mit der Situation umgehen und welche Chancen und Risiken sich nun stellen. Angehende Bauherren erhalten hier einen kleinen aktuellen Einblick in ihren zukünftigen Baupartner.

27.04.2020
Klaus Cronau und Dr. Mathias Schäfer, Geschäftsführung von FingerHaus
Klaus Cronau und Dr. Mathias Schäfer, Geschäftsführer von FingerHaus. Foto: FingerHaus

Dr. Mathias Schäfer: „Wir sind glücklich und dankbar, dass wir als FingerHaus die Bauvorhaben für unsere Kunden weiter wie geplant produzieren und fertigstellen können. Natürlich geht die Anzahl neuer Anfragen aus verständlichen Gründen momentan zurück und unsere Interessenten haben viele Herausforderungen zu bewältigen und sind daher nachvollziehbar zögerlich. In der Beratung können wir aber inzwischen viele Beratungs- und Planungs-Services online anbieten und das ist auch in der Zeit nach Corona ein echter Mehrwert für unsere Interessenten. Wie gut, dass wir schon seit Längerem so stark in die Digitalisierung investiert haben.“
Klaus Cronau: „Sicher ist die Abwicklung der Bauvorhaben unter dem Einfluss dieser Krise alles andere als einfach. Hier ist gegenüber unseren Mitarbeitern sowie Kunden eine Menge Fingerspitzengefühl gefragt, um in den einzelnen Prozessen die gebotene Umsicht und Vorsicht walten zu lassen. Eine Krise bietet aber auch immer eine Chance für Entwicklungen, die sonst wesentlich mehr Zeit in Anspruch genommen hätten. Wir können heute sagen, dass wir es geschafft haben, dem größten Teil unserer Mitarbeiter in der Verwaltung Homeoffice zu ermöglichen, um so auch im Krisenfall die Funktionalität aufrecht zu erhalten.“
Dr. Mathias Schäfer: „Nach der ersten Verunsicherung haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr schnell gesehen, dass uns die Sicherheit von ihnen sehr am Herzen liegt und wir viele Maßnahmen zu Ihrem Schutz umgesetzt haben und dass wir sehr viel kommunizieren, was gerade läuft und worauf sie zu achten haben. Das gilt selbstverständlich auch für unsere Interessenten und Berater. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich daher sehr schnell auf die neuen Rahmenbedingungen eingestellt und sind absolut motiviert, gerade in diesen Zeiten positive Impulse zu setzen und sich voll und ganz für unsere Kunden zu engagieren – egal ob in der Produktion, auf der Baustelle oder vom Homeoffice aus.“

Außenansicht Kundenhaus Grünwald von Sonnleitner
Außenansicht Kundenhaus Gründwald. Foto: Sonnleitner

Werner Tochtermann: „Im Moment finden viele Termine in Form von Video-Telefonaten statt: Beratungsgespräche, Vorgespräche zur Erstellung von Angeboten, Planungsgespräche, Angebotsbesprechungen, etc. Wir haben eher den Eindruck, dass die Vertriebs-Arbeit im Moment zunimmt, weil die Leute Zeit haben, die Zinsen niedrig und die Förderungen hoch sind. Auch bei den Grundstücken hat sich in den letzten Monaten vor der Krise viel bewegt, so dass wir keinen Mangel an Anfragen haben. Man erfährt in den Medien, dass gerade Senioren sehr gefährdet sind. Wenn sie dann noch in gemeinschaftlichen Einrichtungen viel Kontakt untereinander haben, kann sich das Virus schnell ausbreiten. Wir arbeiten gerade an einem Projekt, das in idealer Weise diesem Problem vorbeugt: ein Senioren-Wohnpark in Waldmünchen. In dem Wohnpark werden elf Einzelhäuser in baubiologischer Bauweise um einen Gemeinschaftspavillon gruppiert errichtet. In den Häusern wird den Senioren in gesunder Wohnumgebung ein selbstständiges und aktives Leben ermöglicht – die Gemeinschaftseinrichtungen werden nur bei Bedarf genutzt, so dass eine Ansteckungsgefahr vermieden werden kann. Das Projekt wird als Holzbauprojekt von der TU München, der Koordinationsstelle für Wohnen im Alter der Bayerischen Sozialministeriums und dem Institut für Baubiologie IBN begleitet. An der Umsetzung sind zehn süddeutsche Holzbaufirmen beteiligt, die das Projekt als Forschungsprojekt nutzen. Das ist für uns ein gutes Beispiel, wie man auch in der Krise durch zukunftsorientierte Projekte positiv vorankommt.“

Portrait Holger Linke, Geschäftsführer von Fingerhut Haus
Holger Linke, Geschäftsführer von Fingerhut Haus. Foto: Fingerhut Haus

Holger Linke: „Durch hohe Auslastung und sehr gutem Vorlauf produzieren und montieren wir fast ohne Einschränkungen. Die Lager sind voll und die Lieferkette funktioniert noch. Der Vertrieb arbeitet aus dem Homeoffice und ist mit den Interessenten/Kunden über moderne Onlinemedien wie zum Beispiel Skype oder über Telefon/E-Mail in stetigem Kontakt. Momentane Einschränkungen sind natürlich die reduzierte Reisetätigkeit oder geschlossene Musterhäuser. Das Mindset bei Fingerhut Haus: Alle Geschäfte weiter erfolgreich abwickeln, die Kunden mit der gesamten Mannschaft auch über Homeoffice zu bedienen und bereits jetzt Vorbereitung auf eine Zeit nach der Corona-Krise.“

Portrait Gerd Holzschuh, Leiter Verkauf bei Regnauer Hausbau
Gerd Holzschuh, Verkaufsleiter bei Regnauer Hausbau. Foto: Regnauer Hausbau

Gerd Holzschuh: „Als solides Familienunternehmen in dritter und vierter Generation steht Regnauer auch in solchen Zeiten für Verlässlichkeit und Sicherheit. Der aktuellen Situation angepasst bieten wir unseren Kunden und Interessenten eine Onlineberatung an. Gerade jetzt merken wir, wie wichtig die Gesundheit für uns alle ist. Was liegt da näher, als sich ein wohngesundes Regnauer Vitalhaus zu bauen. Nutzen wir die Zeit für die Planung der Zukunft!“

Produktion bei WeberHaus
Ein Blick in die Fertighaus-Produktion von WeberHaus. Foto: WeberHaus

Stephan Jager: „2019 war für WeberHaus das vertriebsstärkste Jahr der Unternehmensgeschichte, somit ist unser Auftragsbestand sehr gut. Unsere Produktion läuft und Weber-Häuser werden weiterhin gebaut. Dennoch erwarten wir, dass es die eine oder andere Verschiebung im Ablauf geben wird. Das wird sich zwangsläufig nicht vermeiden lassen. Unsere Inspirations- und Erlebniswelt World of Living in Rheinau-Linx sowie all unsere Bauforen sind seit Mitte März für den Publikumsverkehr geschlossen. Aktuell bereiten wir uns auf eine schrittweise Wiedereröffnung vor. In der Zwischenzeit finden Beratungsgespräche telefonisch oder online statt. Die aktuelle Situation nutzen wir, um uns zukünftig noch besser aufzustellen. Viele Arbeitsplätze wurden ins Homeoffice verlegt. Damit soll die Funktionsfähigkeit der einzelnen Abteilungsbereiche aufrechterhalten werden. Über das große Engagement und die Einsatzbereitschaft unserer Mitarbeiter sind wir einfach nur begeistert. Jeder versucht aus dieser nicht einfachen Situation das Beste zu machen und kreative Lösungen zu finden. Beispielsweise haben sich einige Kollegen ihren Arbeitsplatz in unseren geschlossenen Ausstellungshäusern eingerichtet. So kann der eingeforderte Mindestabstand eingehalten werden. Trotz der gegenwärtigen Lage ist die Nachfrage nach unseren ökologischen und energieeffizienten Häusern groß. Das freut uns natürlich sehr. Aus diesem Grund sind wir auch weiterhin auf der Suche nach qualifiziertem Personal sowie Auszubildende, besonders im Handwerksbereich.“

Portrait Enrico Roth von Roth-Massivhaus
Enrico Roth, geschäftsführender Gesellschafter von Roth-Massivhaus. Foto: Roth-Massivhaus

Enrico Roth: „Der Shutdown trifft uns wie viele andere Unternehmen auch. Schnell haben wir Schutzmaßnahmen ergriffen für alle unsere Abteilungen. Sie sind gut ausgerüstet, die Gewerke auf den Baustellen arbeiten zeitversetzt, um Kontakte zu reduzieren oder die Kinder zuhause betreuen zu können. Abstand halten ist das Gebot der Stunde. Gearbeitet wird derzeit auf 62 Baustellen, weitere 25 starten in den kommenden vier Wochen, unsere Lieferketten sind stabil. Gut 100 Häuser sind in der Planungsphase, die unsere Architekten und Ingenieure über Online-Tools mit den Bauherren ohne Verzögerung fortführen. Gerade stellen wir auch die Verkaufsberatung auf digitale Kanäle um, sodass Bauinteressierte ihr Projekt nicht aufschieben müssen. Viele Mitarbeiter, etwa im Planungsbereich, arbeiten von zuhause oder in Wechselschicht im Büro und sind gut erreichbar. Das wünschte ich mir auch von unseren Ansprechpartnern auf den Bauämtern. Wenn ein Unternehmen wie das unsere mit ca. 300 Mitarbeitern in kurzer Zeit auf digitales Arbeiten umstellen kann, sollte das auch in Behörden möglich sein.“

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