Baustrom – Spannung für die spannenden Bauphasen

Spätestens wenn der Bagger fertig ist und die Handwerker anrücken, braucht eine Baustelle Strom. Doch wie soll das gehen, wenn noch keine einzige Steckdose angeschlossen ist und vielleicht noch nicht mal die Wand steht, in der die Dose sitzen soll? Dafür gibt es Baustrom. Was es dazu zu wissen gibt, erklärt der folgende Artikel.

19.07.2019
Symbolbild Baustelle
Baustromkästen einen alle Baustellen. Ohne die oft durch ein hartes Baustellenleben etwas ramponierten Kästen geht es nicht. Foto: fotolia.com © fefufoto

Zusammenfassung:

  • Jede Baustelle muss mit Strom versorgt werden, weil die Handwerker viele Elektrogeräte benötigen.
  • Solange das Haus selbst noch keine Elektroinstallation hat, muss man dazu auf einen Baustromkasten zurückgreifen.
  • Den Baustromkasten kann man sowohl bei Elektro- und anderen Firmen mieten wie ihn selbst erwerben.
  • Bevor der Strom fließt, muss man beim Netzbetreiber einen Antrag einreichen. Teils geht das privat, meistens aber nur über einen Elektrobetrieb.
  • Die Beantragung ist grundsätzlich Sache des Bauherrn, nur bei Bauträgern gibt es manchmal Ausnahmen.
  • Baustromtarife sind oft starrer und immer wesentlich teurer als normaler Strom.

Was genau ist Baustrom?

Dabei handelt es sich um einen Oberbegriff. Unter diesem wird generell die notwendige Stromversorgung einer Baustelle subsumiert. Dazu gehören sowohl die Anschlussmöglichkeiten wie auch die rechtlichen Notwendigkeiten, etwa der Tarif oder die Bezahlung. Dabei ist Baustrom grundsätzlich eine zeitlich begrenzte Maßnahme.

Benötige ich überhaupt Baustrom?

Ob der Tatsache, dass auch bei den Profis immer mehr Werkzeuge per Akku betrieben werden, ist das sicherlich eine berechtigte Frage. Aber Tatsache ist, dass jede Baustelle absolut zwingend Baustrom benötigt. Zum einen deshalb, weil bei Weitem nicht jeder Handwerksbetrieb bei allen Werkzeugen nur auf Akkus setzt. Zum anderen auch, weil eine Akkuladung im Laufe eines langen Arbeitstages aufgebraucht werden kann.
Ein weiterer Grund ist die Notwendigkeit, dass es auch viele Werkzeuge gibt, die schlicht deshalb nicht mit Akku betrieben werden können, weil sie 400 Volt Kraftstrom benötigen. Dazu zählen beispielsweise die Rührwerke der Verputzer und Estrichleger, sowie oft auch Wärmegebläse, die den Bau austrocknen. Und natürlich benötigt eine Baustelle auch jederzeit den Zugriff auf eine adäquate Lichtversorgung, die sich ebenfalls nur über das Stromnetz realisieren lässt.

Warum nutzen die Handwerker keine eigenen Generatoren?

Weil das für einen enormen Energieverbrauch sorgen würde. Durch einen Generator fließen pro Stunde erhebliche Mengen Kraftstoff, selbst bei kleinen Geräten ein bis zwei Liter pro Stunde. Das würde pro bereitgestelltem Watt ein Vielfaches dessen kosten, was der Baustrom aufruft. Naturgemäß würden die Handwerksfirmen diese Summen zurecht auf den Auftraggeber, also den Bauherrn, umlegen. Entsprechende Preissteigerungen wären die unabänderliche Folge davon. Zumal eine Vielzahl dröhnender Generatoren auf einer Baustelle, auf der sich während mancher Phasen sechs oder mehr unterschiedliche Firmen befinden, zu einer katastrophalen Umwelt- und Lärmbelastung führen würde.

Wer ist für die Baustrom-Beantragung verantwortlich?

Kurz und knapp: Der Bauherr. Vielfach steht das so auch in den Verträgen drin. Und solange man nicht mit einem Träger zusammenarbeitet, der explizit auch diesen Punkt übernimmt, sollte man immer davon ausgehen, die Sache selbst in die Hand nehmen zu müssen.

Wann und wo beantrage ich Baustrom?

Im Idealfall sofort, wenn die positiv beschiedene Baugenehmigung bei einem eintrudelt. Gerade in der jetzigen Bau-Boom-Phase kann es je nach Ort durchaus zwei/drei Wochen dauern, bis sowohl alle administrativen wie technischen Arbeiten durchgeführt werden.
Um den Baustrom zu beantragen, muss man sich an einen zugelassenen Elektroinstallateur wenden. Das kann, muss aber nicht das Unternehmen sein, das auch die Installation der Hauselektrik übernimmt. Möglich ist jede Firma, die als zertifizierter Elektro-Meisterbetrieb in die Handwerksrolle eingetragen ist. Alternativ bieten manche Energieversorger an, sich auch direkt mit ihnen in Verbindung zu setzen.

In jedem Fall braucht man folgende Unterlagen:

  • Name und jetzige Anschrift des Antragstellers bzw. Nutzers (also des Bauherrn)
  • Lage des Baugrundstücks. Ist noch keine Hausnummer zugeteilt, genügt die Nummerierung aus dem Katasterplan.
  • Art der Baustelle (hier Privathaus)
  • Lageplan (den braucht der Netzbetreiber, damit er weiß, in welcher Entfernung das Grundstück zur nächsten Anschlussmöglichkeit liegt)

Zudem wollen viele Anbieter eine Angabe der zeitgleich benötigten Maximalleistung – die kann einem auch der Elektriker verraten. Je nach Gebäudetyp gibt es da Erfahrungswerte. All diese Informationen gehen dann an den lokalen Netzbetreiber. Das zieht auch nach sich, dass man für den Baustrom auf den lokalen Grundversorger angewiesen ist.

Wie kommt der Strom zur Baustelle?

In der Praxis, wenn man alles über den Elektrobetrieb laufen lässt, sieht es folgendermaßen aus: Nachdem der Antrag positiv beschieden wurde, wird der Elektriker einen Baustromkasten auf die Baustelle bringen – viele Betriebe vermieten solche Kästen, alternativ gibt es auch externe Vermieter sowie teilweise die Möglichkeit, Kästen selbst zu erwerben (Tipp: Vor Beantragung eBay und Co. durchforsten).
Beim Aufstellen muss die Lokalität fachmännisch beachtet werden, denn der Kasten kann aus logistischen Gründen nicht beliebig aufgestellt werden, sondern nur so, dass er in der Bauphase nicht im Weg steht.
Diesen Kasten kann man sich wie einen Zigarettenautomaten vorstellen. Er enthält mehrere Steckdosen für 230 und 400 Volt, Sicherungen, sowie einen Zähler – alles, was auch ein Haus enthält, im Kompaktformat. Ist er aufgestellt, wird der Elektriker ihn mit einem Anschlusskabel versehen, welches bis zum nächsten Anschlusspunkt geführt wird. Das ist oft ein Stromkasten in der Straße, kann aber auch das vor dem Grundstück liegende Versorgungskabel oder sogar eine Freileitung sein – es kommt auf die örtlichen Gegebenheiten an. Falls eine Straßenquerung nötig ist, wird entweder der Elektriker oder der Versorger einem das mitteilen, dann muss eine provisorische Kabelbrücke errichtet werden. Am Stromkasten dann übernimmt ein Angestellter des Netzbetreibers. Er schließt den Kasten an, gibt meist auch den Zählerstand an den Versorger weiter.

Habe ich Einfluss auf den Baustromanbieter?

Jein. In vielen Regionen ist man für den Tarif des Baustroms fest an den Grundversorger gebunden. Nur in manchen Ausnahmen hat man die Option, seinen Anbieter frei zu wählen. Immer jedoch sollte man sich darauf einstellen, dass Baustromtarife teils erheblich über den normalen Tarifen liegen –sie bewegen sich oft in einem Preisbereich zwischen 25 und 50 Cent pro Kilowattstunde.

Welche Kostenpunkte kommen auf mich zu?

Neben dem reinen Verbrauch kann man bei der klassischen Methode des Mietens über die Elektrofirma mit folgendem rechnen:

  • Miete für den Baustromkasten
  • Miete für den Zähler
  • Kosten für den Anschluss
  • Kosten für den Abbau

Wann kann ich auf Normalstrom umstellen?

Sofort nachdem man die Nummer seines künftigen „festen“ Hauszählers bekommen hat. Gleich dann steht einem die Option offen, sich einen günstigeren Tarif zu suchen, damit die vielleicht noch verbliebenen Handwerker schnellstmöglich über den regulären und somit günstigeren Hausanschluss arbeiten können. Das bedeutet auch, dass der Stromkasten mitsamt seinem Baustromtarif nicht zwingend bis zum Ende der Bauphase genutzt werden muss, sondern eben nur, bis das Haus elektrifiziert wurde – was oft schon erfolgt, während noch gemauert und verputzt wird.

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Carolin Schlegel

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