Holzschutz – Holz wirksam schützen ganz ohne Chemie

Wie kann man Holzbauten und Gartenholz ohne chemische Mittel vor Feuchtigkeit und Nässe schützen? Zum richtigen Umgang mit unseren wichtigen Holzressourcen gibt PEFC Deutschland e.V. nützliche Tipps. Der Waldschutzorganisation ist wichtig, dass hochwertige Hölzer aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern auch nach der Ernte sorgsam und pfleglich behandelt werden und lange in Haus und Garten erhalten bleiben.

07.10.2020
Holzschutz PEFC
Foto: PEFC Deutschland e. V.

Größere Mengen Wasser wirken vor allem durch Niederschläge von außen auf das Holz im Dach, der Fassade und der Terrasse eines Hauses. Feuchtigkeit kann auch von Innen als Wasserdampf oder durch aufsteigende Feuchte aus dem Boden in die Bauteile gelangen. Je nach Holzart führt dabei ein Feuchtigkeitsgehalt von mehr als 20 bis 30 Prozent in einer Holzkonstruktion zum Wachstum von Pilzen und Mikroben. Trocknet das Holz wieder, passiert nichts weiter. Ist das allerdings über einen längeren Zeitraum nicht der Fall, wird das Holz in Mitleidenschaft gezogen. Während morsches Holz im Wald normal ist, muss Bauholz stets stabil bleiben.

Was ist „konstruktiver Holzschutz“?

Als „konstruktiven Holzschutz“ bezeichnet man chemiefreie, rein bauliche Maßnahmen, deren Hauptaufgabe es ist, den Baustoff Holz vor Feuchtigkeit zu schützen bzw. dafür zu sorgen, dass feuchtes Holz zügig wieder abtrocknen kann. Zahlreiche Standardlösungen sorgen für den dauerhaften Erhalt der Bauteile. Oftmals hilft schon einfachstes Wissen weiter: Etwa die Verlegung von Terrassendielen aus Holz mit einem leichten Gefälle, das Einplanen eines Dachüberstandes mit Regenrinne beim Gartenhäuschen oder die Verwendung von Metallschuhen für Gartenzaunpfosten. Die Argumente für den baulichen Holzschutz verdeutlicht die Zertifizierungsorganisation PEFC Deutschland e.V., der nachhaltige Waldbewirtschaftung und Holznutzung zentrale Anliegen sind.

Dauerhafte und preiswerte Lösung, minimierte Pflegearbeiten

Anders als regelmäßiges Streichen mit Lacken und Lasuren, ziehen „konstruktive“, also bauliche Holzschutzmaßnahmen, normalerweise keine Arbeiten und Kosten mehr nach sich. Beispielsweise ist eine hinterlüftete Holzfassade eine langfristige, wartungsfreie Lösung, um den Regen abzuleiten und so die tragende Wandkonstruktion trocken zu halten. Die Holzfassade ist also so ausgebildet, dass sie schnell abtrocknet. Stehendes Wasser wird vermieden, indem die Kanten der Paneele und Latten rund oder angeschrägt angefertigt werden. Außerdem sollten sich Bauherren für dauerhaftere Holzarten wie zumindest Douglasie oder Lärche entscheiden, die weniger empfindlich gegen Feuchtigkeit sind. Über dem Boden ist ein Abstand von mindestens 30 Zentimetern empfehlenswert, um Spritzwasser fernzuhalten. Eine fachgerecht hergestellte Holzfassade muss demnach nicht gestrichen werden. Sie vergraut mit der Zeit durch die Bewitterung. Die silbrige Patina schützt das Holz dauerhaft vor dem Zerfall.

Ungeschütztes Holz
Foto: PEFC Deutschland e. V.

Garantiert ohne giftige Substanzen

Lacke oder Lasuren enthalten oft Stoffe (u.a. Lösemittel, teilweise Fungizide oder Pestizide), die sich vor allem in Innenräumen stark anreichern können. Kritisch ist das bei der Verarbeitung der Stoffe beim Streichen.

Im Außenbereich fallen die Dämpfe weniger ins Gewicht, weil immerhin die eigene Gesundheit nicht belastet wird. Dipl.-Ing. Holger Wolpensinger von der Fachberatung Nachhaltiges Bauen (FNB) hält in diesem Zusammenhang eine Warnung bereit: „Bei Anstrichen für den Außenbereich müssen die Hersteller nicht konsequent auf emissionsarme Eigenschaften achten. Hier steht eine längere Haltbarkeit des Anstrichs im Vordergrund. Aus diesem Grund ist es aber enorm wichtig, niemals Anstriche für den Außenbereich für Innenräume zu verwenden!“

Gut für Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit

Ein Verzicht auf künstliche Lacke oder Lasuren vermeidet Emissionen bei deren Herstellung und Verarbeitung. Außerdem kann Holz nach der Nutzung problemlos entsorgt werden. Unbehandeltes Holz kann als Brennstoff dienen oder verrotten. Im Gegensatz dazu muss Holz mit besonders lange haltbaren oder außergewöhnlich billigen Lacken nicht selten als Sondermüll teuer entsorgt werden.

Aus der Perspektive von PEFC muss es ein Anliegen sein, hochwertiges Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern auch nach der Ernte noch mit Wertschätzung und Sorgfalt zu begegnen. PEFC-Geschäftsführer Dirk Teegelbekkers: „Das Holz, das unsere zertifizierten Waldbesitzer nach drei Generationen den Bauherren und Gartenbesitzern bereitstellen, soll nicht in wenigen Jahren an Wert verlieren. Das widerspräche dem Nachhaltigkeits- und auch Klimaschutzgedanken.“ 

Im Allgemeinen lässt sich nach Ansicht von Experte Holger Wolpensinger problemlos komplett auf den chemischen Holzschutz verzichten.  Nicht ohne Grund bestimme die DIN 68800, dass sogenannte „vorbeugende chemische Holzschutzmittel“ nur noch bei essenziellen Bauteilen, die ein Bauwerk tragen, eingesetzt werden dürfen. Für alle Anwendungsfälle seien inzwischen Standardlösungen vorhanden. Fachhandwerker kennen sich aus und auch DIY-Internet-Videos in Fachportalen zeigen Wege auf. Geschultes Personal im Holzfachhandel und Baumarkt kann ebenfalls weiterhelfen. In anspruchsvollen Fällen hilft die Holzbaufachberatung des Informationsdienst Holz (www.informationsdienst-holz.de) weiter.

Schutz auf Holz
Foto: PEFC Deutschland e. V.

PEFC

PEFC ist die größte Institution zur Sicherstellung nachhaltiger Waldbewirtschaftung durch ein unabhängiges Zertifizierungssystem. Holz und Holzprodukte mit dem PEFC-Siegel stammen nachweislich aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Forstwirtschaft.

PEFC Deutschland e.V. wurde 1999 gegründet und entwickelt die Standards und Verfahren der Zertifizierung, stellt der Öffentlichkeit Informationen bereit und vergibt die Rechte am PEFC-Logo in Deutschland. PEFC ist in Deutschland das bedeutendste Waldzertifizierungssystem: Mit rund 7,6 Millionen Hektar zertifizierter Waldfläche sind bereits rund zwei Drittel der deutschen Wälder PEFC-zertifiziert.

Rückbesinnung auf kluge Baukonstruktionen nach dem Holzschutzmittelskandal

Seit den 60er Jahren kam die Bauchemie als Massenbaustoff in unsere Häuser. Vor allem in den 70er- und 80er-Jahren wurden sog. „Holzschutzmittel“ bedenkenlos und in großem Umfang zulasten der Gesundheit der Bewohner eingesetzt. Erst der Holzschutzmittelskandal bzw. größte deutsche Umwelt-Strafprozess 1991 bis 1993 führte zu einem Umdenken in der Baubranche und zu einer Rückbesinnung auf Jahrhunderte alte bewährte Konstruktionsprinzipien im Holzbau, die auch auf neue Fertigungstechniken übertragen wurden. So sind beispielsweise die Deckenbalken und andere Holzkonstruktionen in der Wartburg knapp tausend Jahre alt und erfüllen ihre statischen und baukonstruktiven Aufgaben bis heute tadellos.

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